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Jüdische Geschichte

Judenzins und Judengässchen - Die Zeit bis 1867

Nach mittelalterlichem Rechtsverständnis standen die Juden im Deutschen Reich als minderberechtigte Kammerknechte gegen Zahlung von Schutzgeldern unter der Obhut des Reiches bzw. des Landesherrn. Jedoch bei den überwiegend durch wirtschaftliche und religiöse Schuldzuweisungen ausgelösten Pogromen blieben sie ohne die erhoffte Hilfe.

Die Politik im Vogtland war im Mittelalter von der Stauferdynastie (1138-1254) geprägt. Es liegt die Vermutung nahe, dass bereits um 1200 auch die Reichsministerialen (Vögte) Juden zur Regelung von Geldgeschäften heranzogen.

Die Anwesenheit von Juden in der Stadt Plauen ist erstmals durch einen Ehekontrakt aus dem Jahr 1308 belegt (vgl.Germania judaica, Tübingen 1968, Bd.II/2, S. 656/657). Von 1248 bis 1373 standen die Stadt Hof und das Regnitzland unter der Verwaltung der Weidaer Vögte. Mit der Goldenen Bulle Ludwig des Bayern vom 29. Juni 1329 erhielten die Vögte die Bestätigung der kaiserlichen Anerkennung aller Rechte, Regalien und Lehen. Damit bot sich die Möglichkeit sich des Judenregals auch ohne ausdrückliche Nennung bei der Ausübung der Landeshoheit zu bedienen.

Mandat vom 16. August 1746

Mandat vom 16. August 1746

Aus dem Jahr 1351 stammt ein Geleitbrief von Vogt Heinrich dem Jüngeren von Weida (XII.), damals Landrichter von Eger, für einen in der Stadt ansässigen Juden, in dem auch der Mayr von Plawen erwähnt wird. Ob sich der Mayr von Plauen, der Baroch und der Veyfel, des Mayrs Sohn von Werdau im Jahr 1351 überhaupt in Plauen und Werdau niederließen, lässt sich aus den überlieferten Quellen nicht ableiten. 1361 nahm Kaiser Karl IV., König von Böhmen, Oberlehnsherr der 1327 der Krone Böhmens zu Lehen aufgetragenen Herrschaft Plauen, die Juden zu Plauen in seinen und des Reiches Schutz und sicherte allen den juden und cristen, dy in der stat zu Plawen gesessen und wonhaff sind oder werden alle Rechte und Freiheiten zu, die alle anderen Juden im Königreich Böhmen schon besaßen.

Diese Festlegungen fanden auch in den Statuten der Stadt Plauen ihren Niederschlag. Im Stadtbuch von Plauen aus dem Jahr 1388 befindet sich zudem die Abschrift eines Schöffenspruches des Bürgermeisters und des Rates der Stadt Weida an den Rat zu Plauen aus der Zeit 1384 bis 1390 in einer Streitsache zwischen dem Plauener Bürger Rudolf von Meldinge und dem Juden Vigdor.

Für beide galten die gleichen Rechtsbestimmungen. Als 1373 der Burggraf von Nürnberg Friedrich V. die Herrschaft Hof erhielt, war er bereits ein Jahr zuvor von Kaiser Karl IV. mit dem Recht des Judenschutzes beliehen worden.

Friedrich V. förderte aus Steuergründen bewusst die Zuwanderung und Niederlassung von Juden in seinem Herrschaftsgebiet. Er gewährte den Juden, die sich unter seinen Schutz begaben, weitgehende Vorrechte und ließ sich diese entsprechend bezahlen. Unter den Juden, die sich unter den Schutz des Burggrafen stellten, befand sich auch ein Mayer aus Plauen, der 1374 mit seiner Frau, seinen Kindern und dem Gesinde von Plauen nach Hof übersiedelte. Die Ausgabelisten der Stadt Eger führen für das Jahr 1402 den Beauftragten, den Juden Mayer aus Plauen, an den der Egerer Rat für Heinrich IX., Herrn zu Plauen, 30 Gulden zahlen musste. Für die Zeit von 1427 bis 1449 führen die Listen den Juden Lazarus und 1468 den Plauener Juden Michel Meyner.

Mit der Zunahme der Schuldzuweisungen kam es seit Mitte des 15. Jahrhunderts in Sachsen zu erneuten Verfolgungen.

1466 erhielten die Wettiner die Herrschaft Plauen. Das Amt wurde kursächsisch. Nach den Rechnungsbüchern des Amtes Plauen wurde 1470/71 bis 1473/74 ein "Judenzins" in Höhe von 6 Schock Groschen und 20 Groschen erhoben, der ab 1474/75 fast jährlich anstieg.

Nach 1485 wurden die Zahlungen des Judenzinses im Amt Plauen eingestellt. Es liegt die Vermutung nahe, dass die hier ansässigen Juden durch die jährliche Erhöhung des Zinses, die auch als Fluchtsteuer bezeichnet wird, das Amt Plauen verließen. Judenpogrome in Plauen bzw. gewaltsame Vertreibungen aus der Stadt im 15. Jahrhundert sind nicht bekannt.

Von 1536 bis 1539 verbot der sächsische Kurfürst die Niederlassung von Juden in seinem Herrschaftsgebiet. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war ihnen in Sachsen nur die Niederlassung nur in Dresden und Leipzig gestattet. Mit speziellen Schutzbriefen waren jedoch befristete Aufenthalte auch in anderen Städten möglich.

Bis zum 12. März 1813 trug in Plauen die Nobelstraße den Namen "Judengasse". Jedoch wohnten in dem Stadtviertel, zwischen dem Straßberger Tor und dem Neundorfer Tor hinter der Stadtmauer gelegen, bis zum Ende des 15. Jahrhunderts nicht nur Juden. Aus den Jahren 1388 sind der Bürger Nickel Zoberszer als gesezzen an den judengaszen und von 1457 bis 1473 der Bürgermeister Friedrich Weiß in der Judengasse bekannt. Andererseits lässt sich nachweisen, dass Juden auch außerhalb der Judengasse ansässig waren. Das Erbbuch des Amtes Plauen vermerkt um 1520 den Bürger Jobst Ilgener als Besitzer eines Hauses zwischen der Straßberger Straße, dem Markt, der Kirchgasse und St. Johanniskirche in dem ehemals die juden dorinnen gewohnt.

In Plauen existierte keine gettoähnliche Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung. Im Jahre 1412 wird im Stadtbuch von Plauen erstmals der Name Judengarten, im Erbbuch von 1520 als Judenacker und im Totenbuch der Kirche 1731 als Jüdenhof bezeichnet, genannt.

Ob sich an dieser Stelle im Mittelalter ein jüdischer Friedhof befand, kann nach den bisherigen Forschungsergebnissen nicht bestätigt werden. Die jüdische Bevölkerung verfügte jedoch über Grundbesitz, deshalb kann die Anlage eines Friedhofes nicht völlig ausgeschlossen werden.

Auch die überlieferten Stadtpläne von Plauen aus dem 19. Jahrhundert verweisen mit ihren Ortsangaben Jüdengarten und Judengäßchen auf die Ansiedlung und den Grundbesitz der jüdischen Bevölkerung.

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