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Antisemitismus

Antisemitismus, Enteignung, Deportation und Ermordung im Nationalsozialismus

Als die Nationalsozialisten ab 1933 ihr antisemitisches Programm in gesetzlich sanktionierten Terror umzuwandeln begannen, waren die Plauener Juden, teilweise in Illusionen über ihre Lage befangen, noch zu Kompromissen bereit. Im Zusammenhang mit der Boykottkampagne vom 1. April 1933 wurden die jüdischen Geschäftsinhaber Plauens einerseits gezwungen eine Erklärung zu unterschreiben, in der sie sich in den im Ausland verbreiteten "Greuelmärchen über die Verfolgung der deutschen Juden" distanzieren mussten. Andererseits wurden ihre Geschäfte und Unternehmen nach der Erfassung des "jüdischen Eigentums" in den folgenden Jahren der Arisierung zugeführt. Am 7. April 1933 verfügte das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" die Zwangspensionierung der Beamten jüdischer Herkunft, dem die Gesetze zu Entlassungen der im öffentlichen Dienst tätigen jüdischen Arbeiter und Angestellten folgten.

Im Juli gleichen Jahres wurde den osteuropäischen Juden, die vor allem aus Polen und Russland zugewandert waren, per Gesetz die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Mit den Nürnberger Gesetzen von 1935, dem "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" und dem "Reichsbürgergesetz" verloren auch die deutschen Juden ihre staatsbürgerlichen Rechte und wurden zu Fremdlingen in ihrer Heimat erklärt. Auch in Plauen kam es zu Verfolgungen wegen "Rassenschande". Der Chef der Sicherheitspolizei Heydrich legte 1937 fest, dass "jüdische Rasseschänder nach Verbüßung ihrer Zuchthaus- oder Gefängnisstrafe in ein Konzentrationslager einzuweisen sind". Ab Sommer 1938 erhielten auch die Plauener Juden eine Kennkarte und mussten den Vornamen Sara bzw. Israel annehmen.

Im Oktober nutzten die Nationalsozialisten eine neue Verordnung zum Passgesetz in Polen, 17 000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit kurzfristig auszuweisen. Mit einem Sondertransport wurden 60 Plauener Juden über Chemnitz an die deutsch-polnische Grenze verschleppt und dort ihrem Schicksal überlassen.

Nach dem Attentat des verzweifelten polnischen Juden Herschel Grynspan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris ordnete die Naziführung reichsweite antijüdische Pogrome an. SA-Trupps steckten in Plauen die Synagoge in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in Brand und demolierten Geschäfte jüdischer Eigentümer. Wenige Stunden später wurden die ersten 45 männlichen Juden aus dem Vogtland nach Buchenwald deportiert. Die auferlegte Kontribution, der Zwang, die Schäden selbst wieder zu beheben, und die Sperrung und Konfiskation aller Banknoten und Wertpapiere ruinierte auch die noch in Plauen verbliebenen jüdischen Familien. Die Enteignung der jüdischen Mitbürger begann. Die in der Vergangenheit rettende Flucht in die Taufe war versperrt, denn das Gegenteil von "jüdisch" lautete nicht mehr "christlich", sondern "arisch".

Deportation und Verschleppung

Wer noch die Möglichkeit dazu hatte, versuchte zu emigrieren. Ab November 1941 wurde die Auswanderung verboten, die "Endlösung der Judenfrage" begann. Völlig entrechtet, mit dem gelben Stern gekennzeichnet und in sogenannten Judenhäusern (Karlstr. 10 und 41, Karolastr. 80, Pestalozzistr. 67 und Albertstr. 18) zusammengepfercht, sahen 1941 die noch in Plauen lebenden jüdischen Bürger ihrer Deportation entgegen. Sie wurden in die Gettos nach Lodz und Belzyce - Lublin verschleppt und in die Konzentrationslager nach Buchenwald, Sachsenhausen, Auschwitz, Theresienstadt, Treblinka und Sobibor deportiert.

Gedenkstein für die jüdischen Bürger Plauens

Gedenkstein für die jüdischen Bürger Plauens

Das Ende der Israelitische Religionsgemeinde in Plauen

1945 kehrten neun Plauener aus Theresienstadt zurück, unter ihnen David Stiefel, der mit den anderen Überlebenden eine neue Gemeinde gründete und bis zu seinem Tod im Jahre 1957 deren Vorsteher war. Mit seinem Ableben erlosch die Israelitische Religionsgemeinde in Plauen. Der Jüdische Friedhof ging in die Obhut bzw. Pflege der Stadt Plauen über. Die Israelitische Religionsgemeinde Leipzig übernahm die Rechtsträgerschaft. Heute gehört der Friedhof zum Eigentum des Verbandes der jüdischen Gemeinden Sachsen - Thüringen. Die gesamte Anlage mit Feierhalle steht nach den umfassenden Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten der vergangenen Jahre unter Denkmalschutz.

 Grabstein, David Stiefel

Grabstein, David Stiefel

Im Juni 1991 wurde ein Treffen vom Verein ehemaliger Plauener Juden mit Sitz in Israel zusammen mit der Stadtverwaltung in Plauen organisiert. Mahn- und Gedenkstätten im Stadtgebiet erinnern heute an eine religiöse Minderheit der Bevölkerung, die einen wesentlichen Teil der Stadtgeschichte von Plauen mitgeschrieben hat.

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