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Freizügigkeitsgesetz

Freizügigkeitsgesetz und Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde Plauen

Nach dem Erlass des Freizügigkeitsgesetzes für Sachsen im Jahr 1867, ließen sich mit der Aufhebung der Wohnsitzbeschränkungen auch in Plauen wieder Juden nieder. Nach Inkrafttreten des Gesetzes vom 1. Dezember 1870, das die Bildung von jüdischen Religionsgemeinschaften erlaubte, schlossen sich fünfzehn Familien 1884 zur Israelitischen Religionsgemeinde Plauen zusammen, die 1899 den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhielt. In den Vorstand wurden Julius Mainzer, Meyer Hammel und Moritz Meseritz gewählt. Die Gottesdienste fanden zunächst in Wohnungen, später in angemieteten Räumen statt.

In den Jahren 1898/99 wurde für die Gemeindemitglieder des Vogtlandes ein Friedhof am Oberjößnitzer Weg in der Nähe des Tannenhofes angelegt, auf dem eine Feierhalle entstand. Neben den Plauener Juden fanden auch Reichenbacher, Oelsnitzer, Klingenthaler und Greizer hier ihre letzte Ruhestätte. Die erste Bestattung war die des Klingenthalers Kaufmanns Hermann Braun im Jahr 1899, die letzte die des Plaueners Isaak (Kurt) Kohn im Jahr 1998, der den Holocaust überlebt hatte und nach Plauen zurückgekehrt war. Die Belegung des Friedhofes umfasst 132 Grabstätten. Die Grabsteine tragen hebräische und deutsche Inschriften und verweisen mit der Angabe von Geburtsorten oft auf die osteuropäische Herkunft, denn nach den grausamen Pogromen in Osteuropa um 1881 und 1905 hatten sich auch orthodoxe Juden in Plauen niedergelassen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert besaß Plauen 208 jüdische Einwohner, die vorwiegend in der Textilbranche und im Handel arbeiteten. Es entstanden bekannte Unternehmen, wie das Kaufhaus Gottheil, die Spitzenfabrikation der Gebrüder Lay und eine Filiale der Kaufhausgruppe Tietz. Obwohl der jüdische Anteil der Bevölkerung in Plauen nie mehr als ein Prozent betrug, kam es hier bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu antisemitischen Ausschreitungen.

Mit der die Existenz bedrohenden wirtschaftlichen Krise in der Spitzenindustrie um 1912/13, für die ostjüdische Partiewarenhändler verantwortlich gemacht wurden, kam auch in Plauen in verstärktem Maße judenfeindliche Stimmung auf, die schließlich in den Tagen der Mobilmachung, im August 1914 zu gewalttätigen Handlungen gegen jüdische Geschäfte in der Bahnhofstraße führten und nur mit Polizeigewalt und Militär beendet werden konnten.

Denkmalweihe 1926

In dieser Zeit lebten im Vogtland ca. 1000 Menschen jüdischen Glaubens, davon allein 800 in Plauen. Aus ihren Reihen folgten 76 Männer der Einberufung auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges. Neun kehrten nicht wieder zurück. Im Gedenken an die Gefallenen wurde 1926 von der Israelitischen Religionsgemeinde auf dem jüdischen Friedhof ein Denkmal eingeweiht.

Denkmalweihe 1926

Foto: Denkmalweihe 1926
Foto aus Nachlass Siegfried Wunderlich †, StA Plauen

Unter den durch Erwerbslosigkeit bzw. die Kriegsauswirkungen betroffenen Juden lebten in Plauen 112 in Armut. Finanzielle Unterstützung wurde ihnen und ihren Familien durch die Einrichtung einer Armenkasse der Israelitischen Gemeinde zuteil. 1919 gelang es dem Rechtsanwalt Dr. Isidor Goldberg als Vertreter der Deutschen Demokratischen Partei ins Plauener Stadtparlament einzuziehen. Konsequent trat er gegen die sich anbahnende Gefahr des Antisemitismus auf und setzte sich für die demokratischen Rechte seiner Glaubensbrüder ein.

Bau der Synagoge mit Gemeindehaus

In den 1920er Jahren ereigneten sich in Plauen erneut Übergriffe gegen jüdische Einwohner. Trotz Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit beschloss die 836 Mitglieder zählende Israelitische Religionsgemeinde 1929, eine Synagoge mit Gemeindehaus in der Engelstraße/Senefelder Straße zu errichten. Der Entwurf im Bauhausstil entstand durch den Architekten Fritz Landauer aus München, dem es mit der Gestaltung gelang, die konfessionellen, kulturellen und sozialen Bedürfnisse der Gemeinde zu berücksichtigen. Die Weihe fand am 6. April 1930 statt.

Gemeindehaus mit Synagoge

Gemeindehaus mit Synagoge

Die Synagoge gehörte zu den letzten jüdischen Sakralbauten, die in Deutschland vor der Machtübernahme des Nationalsozialismus erbaut wurden.

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