Künftige Jugendherberge in der Alten Feuerwache feierte Richtfest

Zum Richtfest der Plauener Jugendherberge hatte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer am Mittwoch, dem 15. November 2006, eingeladen. Nach der Generalsanierung, unter Federführung des städtischen Eigenbetriebes Gebäude- und Anlagenverwaltung der Stadt Plauen, können künftig junge Leute mitten in der Stadt ein modernes und preiswertes Domizil als Ausgangspunkt touristischer Unternehmungen im Vogtland beziehen.

Jugendherberge "Alte Feuerwache"

(Foto: Herbergsmutter Anja Olbrich und OB Ralf Oberdorfer schlugen gemeinsam den letzten Nagel in den Dachbalken)

"Einmal mehr engagiert sich die Stadt Plauen auch finanziell - immerhin mit über 1 Million Euro -, um ein leer stehendes Gebäude in unmittelbarer Innenstadtlage wieder nutzbar zu machen, zu beleben.
Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Deutschen Jugendherbergswerk einen Partner gefunden haben, der uns dabei hilft und sicherlich dafür sorgen wird, dass das Gebäude ab Mai ‚vor Leben strotzt’.
Es macht mich sehr stolz, dass es der Stadt Plauen durch gutes Wirtschaften von Stadtrat und Verwaltung gelungen ist, die Eigenmittel für ein großes durch Bund und Land gefördertes Bauvorhaben aufzubringen", so Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer während des Richtfestes.
Die Baukosten belaufen sich auf zirka 3,5 Millionen Euro und werden mit zirka 2,4 Millionen Euro durch das Bund-Länder-Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" gefördert, die übrigen 1,1 Millionen Euro bringt die Stadt aus ihrem Haushalt auf. Verbaut sind bisher insgesamt 2,1 Millionen Euro, Verträge sind bereits für 3,3 Millionen Euro vergeben, davon sind 58 der beauftragten Firmen aus Plauen und dem Vogtland, 21 Prozent aus Sachsen und die restlichen 21 aus anderen Bundesländern.

Voraussichtlich im Mai 2007 soll das denkmalgeschützte Gebäude dem Deutschen Jugendherbergswerk Sachsen zur Nutzung übergeben werden. Besonderes Augenmerk legt der Denkmalschutz auf die Fassadengestaltung und darauf, dass das äußere Erscheinungsbild der ehemaligen Feuerwache erhalten bleibt. Daran erinnert insbesondere der ursprüngliche Schlauchturm, das Wappen, Fahnenhalter, Leuchten und Schrift. Schon jetzt prangt jedoch der Schriftzug "Jugendherberge" über dem Eingangsbereich.
Bisher wurden die Abbruch-, Entkernungs- und Tiefbauarbeiten abgeschlossen. Am Hauptgebäude erfolgen derzeit Restarbeiten am Dach und der Fassade. So werden die Naturstein-Fassadenelemente nach Aspekten der Denkmalpflege fachgerecht hergerichtet. Am neuen Küchenanbau wird derzeit der Außenputz angebracht. Der Bau eines Zwischengebäudes mit Aufzug für Gehbehinderte wird Anfang 2007 stehen. Im Gebäude Nobelstraße 25 wird bereits am Innenausbau gearbeitet.

Mit modernstem Herbergsstandard in einer Top-Lage erwartet der Vorstand des Deutschen Jugendherbergswerkes sich für die Zukunft eine sehr gute Auslastung. Die jüngste Herbergsmutti Sachsens, Anja Olbrich, freut sich schon riesig auf die neue Aufgabe. So möchte sie insbesondere Jugendfeuerwehren nach Plauen locken, Seminare und Fortbildungen für Feuerwehrleute anbieten, Familien und selbstverständlich Schulklassen für Plauen begeistern.

Insgesamt sollen in dem sanierten Haus einmal 135 Gäste Übernachtungsmöglichkeit finden. Weiterhin wird es Räumlichkeiten geben, die für Seminare genutzt werden können. Die Herberge wird ihren Gästen angenehmen Komfort bieten. Die Zimmer mit maximal zwei Doppelstockbetten haben Dusche und WC. Auch ein Bereich für Familien ist vorgesehen.
Anja Olbrich konnte bisher neben Berufserfahrung im Hotelwesen vielfältige Erfahrungen in der Jugendherberge Klingenthal sammeln.

Richtspruch,
gehalten von Zimmermann André Schlott von der Zimmerei Frank Kunze aus Oelsnitz


"Ich spreche einen Richtspruch heut,
der einem stolzen Haus geweiht,
das auf den Tag fast wortgetreu
der Jugend übergeben sei.

Viel fleiß’ge Hände hier sich mühten,
heut scheinen alle sie zufrieden.
Habt Dank, so möchten wir laut rufen,
Dank allen, die dies Haus erschufen.

Verkündet es in allen Landen:
Ein Jugendheim ist neu erstanden!

Hier soll fortan ein jeder Gast
zum Ausruh’n finden gute Rast.
Ganz gleich, welch eine Sprach er spricht,
auch Klassenunterschied gibt’s nicht.

Hier ist jedweder gern geseh’n
und sei’s nur im Vorübergeh’n.
Was ihn bedrückt, ja was ihn plagt,
manch Ding, wonach er nutzlos fragt,
so manche Last, die schwer ihn quält, -
was er erjagt und was ihm fehlt,
das darf für Stunden er begraben,
darf einmal selbst sich selber haben.

Hier soll er unbeschwert sich freu’n
in häuslichem Geborgensein.
Hier gibt es viel, was ihn beglückt,
manch Spiel am Abend, das entzückt,
manch heiter Lied, so mancher Scherz,
und dann und wann ein Freundesherz.

In froher Rund ein fröhlich Wort,
glaubt mir, hilft oftmals besser fort
als allzu sehr verschraubte Reden,
die Viele besser pfeifen täten.

Merkt auf: Seht dieses Herbergshaus,
neu ist es, traumhaft schön sieht’s aus,
und so ist’s für die Jugend recht.
Allein, sie wahrt den Reichtum schlecht,
will sie ihm nicht sein Hüter sein
und hält ihr schmuckes Nest nicht rein.

Drum, was der Herbergsvater spricht,
sei jedem Gast hier erste Pflicht.
So heißt’s und dies ist zu begreifen,
das Rauchen muss man sich verkneifen.
Auch Alkohol, dem auf der Welt
man leider gern sich zugesellt,
ist nicht erwünscht und nicht erlaubt,
selbst jenem nicht, der dies nicht glaubt.
Und wenn zur Nachtruh’ wird gemahnt,
schweigt, alles weit’re was geplant,
auch wenn es gar verführerisch spricht,
die Ordnung ruft zu strenger Pflicht -
nach jeder Nacht folgt ja ein Tag der neue Reize bieten mag.

An dieser Stell’ scheint mir der Platz,
zu sprechen von dem Herbergsschatz:
Die Herbergsmutter, stets bereit,
weiß, was den hungrigen Magen freut.
Auch sonst, wer bei ihr Rat sich borgt,
um jeden gerne sie sich sorgt,
weshalb es klar ist, dass es Brauch,
um ihrer Lieb, liebt man sie auch.

Nun bitten wir mit Herz und Hand:
Gott schütz das Haus von Not und Brand,
vor jeglichem Üb el und bösen Leuten,
heut, morgen und künftig, in allen Zeiten!
Und möge dies Heim, so möchte ich bitten,
die Jugend leiten zu guten Sitten,
zu Takt und Anstand, Ehrfurcht und Liebe
im Sinne der menschlich edelsten Triebe;
und möge es ihr auf die Wanderschaft
viel Auftrieb mitgeben und Mut und Kraft.
Vermög dies ihr Schutzgeist, zum Schluss sprech ich’s aus,
dann ist nicht vergebens erbaut dieses Haus!"

Jules Cotiaux