Abbruch der ehemaligen DAKO in Plauen
Die im Jahr 2016 angezeigte Beseitigung der baulichen Anlagen auf dem Grundstück der ehemaligen DAKO in der Ricarda-Huch-Straße 1 wird durch den Eigentümer in diesem Januar fortgesetzt. Damals wurde mit dem Abbruch von Nebengebäuden begonnen. Nun soll das Hauptgebäude abgebrochen werden. Eine geplante Nachnutzung für das private Grundstück ist der Stadt nicht bekannt.
Für die Abbrucharbeiten wird die Ricarda-Huch-Straße in Höhe des Gebäudes Haus Nummer 1 vom 19. bis 30. Januar für die Durchfahrt voll gesperrt. Abstimmungen mit den anliegenden Gewerbetreibenden finden vor Ort durch die ausführende Firma statt.
Nach dem Ersten Weltkrieg befand sich die Industriewerke AG bzw. Textil-Industriewerke (1950) in dem Fabrikgebäude, anschließend das Werk I des VEB Plauener Damenkonfektion, später Plauener Damenkonfektion GmbH, ab 1992 Bekleidungswerke Plauen GmbH. 2005 erfolgte die Liquidation der Firma. Das leerstehende Gebäude verfiel zunehmend.
Hintergrund:
Das dreistöckige Gebäude der Deutschen Glühlampenfabrik AG wurde 1910 erbaut. Im Zuge der Ansiedlung von Rüstungsindustrie in Plauen während des Ersten Weltkriegs errichtete die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) Berlin im Jahr 1917 in der vormaligen Glühlampenfabrik eine Kartuschieranstalt, in der vorrangig Frauen mit der Munitionsfertigung beschäftigt waren.
Am 19. Juli 1918 ereignete sich ein verheerender Brand in der Kartuschieranstalt. Auslöser war vermutlich die Selbstentzündung von Pulvermaterial (Schwarzpulver). Die Katastrophe forderte 301 Menschenleben, darunter 296 zumeist junge Frauen sowie zahlreiche Schwerverletzte. Es handelt sich um den schwersten Unfall in der deutschen Rüstungsindustrie während des Ersten Weltkrieges. Das Durchschnittsalter der 221 Todesopfer aus Plauen betrug 23 Jahre. In der Ricarda-Huch-Straße erinnert die Industriebrache der ehemaligen DAKO noch heute an das Unglück von 1918, bei dem 296 junge Frauen ihr Leben verloren. Aus eigentumsrechtlichen Gründen und da es mehrere Gedenkstätten für die Opfer des tragischen Unglücks in der Plauener Kartuschieranstalt gibt, wurde durch die Stadt Plauen einem Abbruch der Industriebrache bereits 2014 zugestimmt. Durch das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen wurde der Industriekomplex nicht als Kulturdenkmal erfasst.
Die 1920 auf dem Hauptfriedhof geschaffene Grab- und Gedenkstätte für die Opfer hat die Stadt Plauen in dauerhafte Pflege und Unterhaltung genommen. Hier fanden 223 Frauen ihre letzte Ruhestätte.