Adler-Kracht-Kunstwerk: innovatives künstlerisches Verfahren
Farbenfroh empfängt die restaurierte Wandgestaltung von Adler und Kracht die Besucher seit 3. Juni im Plauener Rathaus. Die beiden Künstler wendeten hier zwischen 1975 und 1976 das pneumatische Beschichtungsverfahren, das sie im Auftrag der Bauindustrie entwickelten, für ihr Werk an. Es stellte eine Innovation in der künstlerischen Wandgestaltung von Betonoberflächen in der Nachkriegsmoderne dar. Bereits seit 1962 erprobten die beiden Künstler ein „Verfahren zur industriellen Herstellung von farbstarkem, witterungs- und lichtbeständigem keramischen Granulat oder aus Natursteinsplitt oder Glassplitt bestehendem Beschichtungsmaterial auf Oberflächen von Beton, Plast oder Glas“. Auftraggeber war die Bauakademie der DDR. Zweck der Forschungsarbeit sollte die Sichtflächengestaltung im industriellen Wohnungsbau sein.
Am Anfang stellten die Künstler das erste keramische Granulat in Rot im Muffelofen des Ateliers selbst her. Die Farbpalette wurde dann ständig erweitert. An die eigenen Kapazitätsgrenzen stoßend, suchten sie sich zur Herstellung des Granulates schließlich Partner in der Industrie. 1967 gaben Adler und Kracht einen Katalog mit den lieferbaren Granulaten heraus.
Zur dauerhaften Anhaftung des Granulats wurde ein Klebstoff entwickelt. Der sogenannte „Sichtbetonkleber SBK“ gehörte als eigenständige Komponente zum Verfahren. Auch konnte die Beschichtung mehrlagig erfolgen und damit eine optische und haptische Wirkung von „klassischen“ Wandputzen erreicht werden.
Während in der Bauwirtschaft die vollmechanisierte Beschichtung Einzug fand, setzten Adler und Kracht das Verfahren ab 1964 für künstlerische Wandgestaltungen ein. Das Schablonen-Prinzip wurde zum Kern der neuen Werktechnik, ebenso wie das Auftragen der farbgebenden Schichten mit einem ein- oder zweidüsigen Spritzgerät. Die Gestaltungsmöglichkeiten ergaben sich durch die Struktur des verwendeten Materials und das Mischen verschiedener Farben und Materialien. Mit dem pneumatischen Beschichtungsverfahren wurden insgesamt neun künstlerische Wandgestaltungen, darunter in Plauen und Zwickau, geschaffen.
Am Neuen Rathaus Plauen hielt die Oberflächenfestigkeit der Beanspruchung nicht vollständig stand. Wohl deshalb blieb die Wandgestaltung nur bis 1987 sichtbar. Die eigentlichen Gründe, die zu ihrer vollständigen Verkleidung mit Sandsteinplatten führten, liegen weitestgehend im Dunkeln, und das Vorhandensein der Wandgestaltung geriet im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit.
Dank der Wüstenrot Stiftung, die die Restaurierung beauftragt hatte und finanzierte, konnte das Kunstwerk wieder zu seiner ursprünglichen farbenfrohen Strahlkraft zurückfinden und bildet nun ein optisches Highlight des neuen Rathauseingangs.
Alle Infos unter www.plauen.de/rathaussanierung