Alles Clara! Die Clara-Wieck-Tage in Plauen: Rückblick auf gelungene Veranstaltungswoche
»Alle Konzerte im Festsaal des Vogtlandmuseums waren ausverkauft, Symposium und Lesung waren überdurchschnittlich gut besucht, viel Lob gab es vom Publikum, das viele schöne Momente erleben konnte«, freut sich Museumspädagoge Uwe Fischer, Organisator der Clara-Wieck-Tage "Alles Clara" in Plauen. Diese fanden vom 13. bis 22. September erstmalig statt.Damit habe auch Plauen neben den großen Schumann-Städten Leipzig, Dresden, Zwickau und Düsseldorf einen viel beachteten Beitrag zum 200. Geburtstag der Klaviervirtuosin, Komponistin und achtfachen Mutter geleistet.
Mit der Enthüllung einer Bronzetafel zu ihrem Gedenken begann diese Festwoche. Auf ihr ist der Aufenthalt Clara Wiecks bei ihren Großeltern, der Kantorenfamilie Tromlitz vermerkt. Gestiftet wurde die Plakette von der Zwickauer Robert-Schumann-Gesellschaft und der Stadt Plauen. Vom Eröffnungskonzert, dem Klavierabend mit dem Pianisten Radim Vojìr bis zum Abschlusskonzert, dem »Lauschkonzert«, erklangen insgesamt 24 Kompositionen aus Claras Feder, darunter ihre erste Komposition, die sie bereit als Zehnjährige schrieb, eine Polonaise op.1 Nummer 1, die sie zu ihrem Lebzeiten Franz Liszt persönlich vorspielte. Neben Claras Werken erklangen weitere Kompositionen von ihrem Ehemann Robert als auch von wichtigen Zeitgenossen und Freunden wie Brahms, Chopin und Mendelssohn.
Die jungen Solisten des Vogtlandkonservatoriums »Clara Wieck« lieferten im Beisein ihrer Pädagoginnen im überfüllten Festsaal einen hörbaren Beweis des hohen Ausbildungsniveaus mit einem wohldurchdachten Schumann-Programm, das deren Fachdirektor Jörg Leitz mit Charme und Wissenswertem über das Künstlerpaar moderierte.
Die angereisten Musikwissenschaftler überraschten zum Symposium mit zahlreichen Kenntnisse über die Berührungspunkte Claras mit Plauen und dem Vogtland sowie über die Forschungen zu ihrem Leben und Wirken. Beispielsweise berichtete Dr. Albin Buchholz von einer komponierten Kadenz und von Briefen Claras, die im Plauener Stadtarchiv liegen, als auch von der Familie Tromlitz, die das Musikgeschehen in Plauen positiv beeinflussten: Neben Clara, die 1834/35 in dem Konzerthaus »Erholung« umjubelte Konzerte gab, hat auch Mutter Mariane dort Konzerte gegeben, 1813 in Anwesenheit des damals in Plauen weilenden Königs Friedrich August, der im heutigen Vogtlandmuseum mit seinen Ministern für rund einen Monat im Exil lebte.
Als ein Höhepunkt gelang neben einen mit Bravos honorierten Kammermusikabend Dresdner Ensembles das sogenannte »Lauschkonzert«. Das Besondere dieses Konzerts war, dass das Publikum im Festsaal Platz nahm, während die Pianistin Natalie Solotych auf dem Hammerklavier im Saal gegenüber musizierte. Der Klang von Claras Kompositionen auf dem von ihr einstmals gespielten Instrument über die weit geöffneten Flügeltüren begeisterte das Publikum. Viel Beachtung erhielt der lebendige Vortrag von Wolf Dieter Neupert über dieses außergewöhnlich wertvolle Instrument aus der Wiener Werkstatt von Nanette Streicher von 1821.
Bei allen Konzerten kam die Kommunikation zwischen Publikum, Museumsmitarbeitern und Solisten nicht zu kurz: Im prächtig ausgeleuchteten frühklassizistischen Innenhof lud das Museums inklusive zu Sekt, Wein und Imbiss ein.
Als Abschluss wurde auch die Lesung »Das Mädchen am Klavier« von einem zahlreichen Publikum honoriert. Es handelt sich um die Jugendgeschichte Claras von Rosemarie Marschner, die im Frühjahr dieses Jahres als Fortsetzungsroman in der Freien Presse erschien. Noch einmal musizierten Ida Pfeifer und Franziska Köchel vom Vogtlandkonservatorium mit großem Beifall Werke von Clara und Robert und spielten sich Vera Knüpfer und Marvin Schaarschmidt mit Szenen aus dem Bühnenstück »Schmetterlinge« als Clara und Robert in die Herzen der Zuschauer. Claudia Kutter-Clauß las Passagen aus dem Buch, moderiert wurde der Nachmittag von Uwe Fischer.
Für die Realisierung des Events haben die Kulturstiftung des Freistaats Sachsen, der Förderverein des Museums sowie vierzehn Firmen und Privatpersonen finanzielle Hilfe geleistet. Da die Tage ganz im Zeichen der Musik standen, wurde eine Spendenbox des Fördervereins des Museums für die Restaurierung eines Klaviers der Plauener Firma Vogel & Sohn aufgestellt, in der 350 Euro gesammelt wurden. Der Dank des Museums für die gelungene Veranstaltung geht damit auch an alle Helferinnen und Helfer, die mit einer Vielzahl von Aktivitäten die Clara-Wieck-Tage mit realisierten.
Aus diesen zehn Clara-Wieck-Tagen soll nun für den Musikunterricht der Schulen ein Programm »Auf den Spuren Claras« entwickelt werden, was ab November gebucht werden kann. Das Museum will aufgrund des großen Zuspruchs in zwei Jahren die Clara-Wieck-Tage fortsetzen.