Innenstadt für alle da - Rücksichtnahme elementar
Im Juni 2025 hat der Plauener Stadtrat eine Erweiterung der innerstädtischen Alkoholkonsum-Verbotszone beschlossen. Seither gehören auch Klostermarkt und Bahnhofstraße bis zum Abzweig Stresemannstraße zu dem Bereich, in dem kein Alkohol öffentlich getrunken werden darf. Das Verbot galt vorher bereits für den Postplatz, das Areal rund um die Stadt-Galerie, den unteren Teil der Bahnhofstraße bis zu den Kolonnaden, die Herren- und die Rathausstraße, den Lutherpark und den Theaterplatz.Aktuell liegt der Stadt eine Petition der Anwohner der mittleren Bahnhofstraße vor, die sich von den zwar friedlichen, aber teils lauten Grüppchen belästigt fühlt, die sich dort am Rand der Zone tagsüber aufhält. Außerdem erreichte die Stadtverwaltung Anfang Oktober ein Schreiben von neun Angehörigen der Gruppierung, das an den Oberbürgermeister adressiert war. Inhalt: Sie wünschen sich einen Platz, an dem sie sich ungestört treffen können, der im Zentrum liegt und der, so versprechen sie, »in sauberem Zustand bleibt«. Genau das ist auch die Crux, denn das ist, was in der Petition der Gruppe vorgeworfen wird: Es wäre laut und eben auch dreckig.
»Eine Stadt soll für alle da sein«, so Oberbürgermeister Steffen Zenner. »Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass es, egal in welcher größeren Stadt, überall buntere und lautere Ecken gibt. Umso größer die Stadt, umso mehr Menschen werden angezogen. Die Herausforderung ist, dass sich am Ende alle wohl fühlen können - auch die Gruppierungen, die das Draußen tags zu ihrem Zuhause machen wollen ebenso wie die Touristen, die Plauen entspannt entdecken; die Kinder, die von der Schule nach Hause gehen oder die Einwohner, die ihre Besorgungen erledigen. Was bedeutet das? Immer auch Rücksichtnahme und Toleranz.« »Die heterogene Gruppe fühlt sich unerwünscht und ungerecht behandelt, teils zu Unrecht kontrolliert und gegängelt«, hat er im Gespräch herausgehört. Dr. René Schreiter, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung: »Es gibt dort seit der Ausweitung der Alkoholkonsumverbotszone nahezu täglich Kontrollen - insbesondere auch dann, wenn uns aktuelle Hinweise erreichen, dass Ordnungswidrigkeiten begangen werden. Dem gehen wir nach und ahnden es im Fall eines Verstoßes. Hinweise aus der Bevölkerung nehmen wir in jedem Fall sehr ernst.«
Mit allen Beteiligten - Anwohnern, Geschäftsleuten, den bunten Grüppchen - wurden bereits Gespräche geführt. Mit dabei waren neben der Ordnungsbehörde der Stadt auch der Kommunale Präventionsrat und die Mobile Jugendarbeit sowie der städtische Sozialarbeiter Jörg Brückner. Frank Zabel vom KPR: »Seitens der Vermieter gibt es Wünsche nach Konfliktlösungen, die wir gern begleiten. Die MJA hat Unterstützung zugesagt und will sich mit den Jugendlichen - mit denen sie bereits seit Jahren arbeiten - weiter treffen. Auch der Fachbereich Jugend und Soziales ist eingeplant. Das direkte Gespräch vor Ort zeigte mir ebenfalls, dass weniger Kontrollen, aber mehr Akzeptanz erwünscht ist. Derzeit wird ein Platz gesucht, der für alle akzeptabel ist.«
»Aktuell sind wir auf der Suche nach einer Lösung für alle. Die Gruppe selbst hatte uns vorgeschlagen, an der Sauberkeit mit zu wirken. Wir sind interessiert, sie da auch in die Pflicht zu nehmen und eine für alle tragbare Lösung zu finden«, so Oberbürgermeister Steffen Zenner.