Momente der Musik und Begegnung: Giora Feidman zu Gast in Plauen
„Ihr seid doch wie Familie für mich“, entgegnete der weltbekannte Klarinettist Giora Feidman gewohnt herzlich zur Begrüßung am 27. November in der Pauluskirche. Der 88-jährige, der schon mehrfach in Plauen gespielt hat, kam diesmal nicht nur für ein Konzert, sondern auch, um den Mauerrest der ehemaligen Plauener Synagoge zu besuchen und sich über den dort geplanten Gedenkort zu informieren. Bürgermeister Tobias Kämpf begrüßte das Giora Feidman Trio aus diesem Grund herzlich in Plauen, freute sich über die zahlreichen Besucher und stellte den Bezug zum Projekt „Bruchstelle 1938“ der Stadt Plauen her.
Mit großer Spielfreude interpretierten der „Maestro“ zusammen mit German Prentki am Cello und Vytis Sakuras am Klavier dann virtuos traditionelle Weisen des Klezmer-Genres in Verbindung mit klassischer Musik, darunter viele Neukompositionen. Die aktuelle Tournee unter dem Titel „Revolution of Love“ soll neben der Musik auch die Botschaft des Friedens, der Verständigung und Menschlichkeit hochhalten. So ergriff Giora Feidman zwischen den Liedern immer wieder das Mikrofon und richtete das Wort an die Zuhörer. Stolz zeigte der in Buenos Aires geborene jüdische Musiker seinen deutschen Pass, den er jüngst beantragt und erhalten hat – auch, um ein Zeichen zu setzen für ein friedliches Miteinander, gerade in der jetzigen durch Konflikte und Anfeindungen geprägten Zeit. Stehende Ovationen, eine Zugabe, Blumen als Dank des Bürgermeisters und viele Gespräche anschließend rund um den Signiertisch rundeten den gelungenen Abend ab.
Tags darauf fand sich der Klarinettenvirtuose zur Besichtigung der denkmalgeschützten Mauerformation am Standort der früheren Synagoge in der Engelstraße ein und war sichtlich ergriffen von diesem Ort und seiner Geschichte. Er hob die Bedeutung und das Potential dieses Reliktes hervor und bezeichnete es als „Geschenk“, dass es diesen Teil der 1938 zerstörten Synagoge noch gibt: „Gott selbst hat diese Mauer erhalten“, so der Musiker. Im Beisein von Mitgliedern der Adventgemeinde und der Arbeitsgruppe „Bruchstelle 1938“ informierte er sich über die weiteren Pläne für diesen Ort, denen er von Herzen alles Gute wünschte.
Giora Feidman ist seit einigen Monaten Fürsprecher von „Bruchstelle 1938“ und gab ein Unterstützer-Statement. Durch diese Verbindung kam auch das Konzert in Plauen zustande. Im Frühjahr sollen die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten beginnen. Parallel laufen die Vorbereitung zur Errichtung eines Gedenk- und Begegnungsortes. Der Impuls zur Unterschutzstellung und Sicherung der historischen Mauerformation kam aus der Bürgerschaft.