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Stadtplakettenverleihung 2021

Stadtplakette der Stadt Plauen an: Steffen Marquardt

Am 1. Oktober 2021 zeichnete Oberbürgermeister Steffen Zenner, während einer Festveranstaltung in der Galerie im Malzhaus, Steffen Marquardt mit der Stadtplakette der Stadt Plauen aus. Oberbürgermeister Steffen Zenner überreichte auch die Urkunden des Bürgerpreises und bedankte sich bei den ehemaligen Mitgliedern des Seniorenbeirats. Nach der musikalisch durch Schüler des Vogtlandkonservatoriums „Clara Wieck“ begleiteten Feier konnten die Gäste bei einem kleinen Umtrunk miteinander ins Gespräch kommen.

Hohe Auszeichnung für Steffen Marquardt

Steffen Marquardt ist seit 2012 Vereinsvorsitzender des Vereins Vital e.V. Diese Vogtländische Initiative für Teilhabe und aktives Leben ist Ansprechpartner für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung, also nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder Hirntumor, sowie deren Angehörigen.

Nach einem schweren Schlaganfall 2004 musste er selbst wieder neuen Lebensmut gewinnen. Über die Selbsthilfegruppe Aphasie und die Selbsthilfegruppe jüngere Behinderte des VdK kam Steffen Marquardt zum Vital e.V., der 2010 gegründet wurde. Nachdem Dr. Erich Rieger als Vorstandsvorsitzender des Vereins aufhörte, wurde er als Vorsitzender gewählt. Mit sehr viel Engagement leitet er seitdem den Verein, der mittlerweile mehr als 100 Mitglieder zählt. Neben Beratung und Unterstützung für die Betroffenen und Angehörigen bietet der Verein auch Aktivitäten wie Urlaubsfahrten, Tagesausflüge, Projekte mit berufsbildenden Schulen usw. an.

Steffen Marquardt ist zudem seit 2014 im Beirat für Menschen mit Behinderung des Vogtlandkreises und in der Arbeitsgruppe Behindertenhilfe der Stadt Plauen tätig.

Er macht vor, was möglich ist, obwohl man durch einen Schlaganfall aus seinem bisherigen Leben gerissen wurde und mit Einschränkungen leben muss. Er gibt Betroffenen Hilfe, Mut und Zuversicht. Dieses Engagement soll mit der Stadtplakette gewürdigt werden.

Laudatio auf Steffen Marquardt

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Steffen Marquardt, sehr geehrte Damen und Herren,

in diesem Jahr wird die Auszeichnung mit der Stadtplakette der Stadt Plauen einem Menschen zuteil, der mit dem Motto „Optimismus ist die einzige vernünftige Alternative“ nach einem schweren Schlaganfall sein Leben neu gestalten musste und dabei eine neue Lebensaufgabe fand: Steffen Marquardt.

Steffen Marquardt, Jahrgang ´62, ist seit 2012 Vorsitzender des Vital-Vereins. Der Verein ist Ansprechpartner für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung sowie deren Angehörige. Steffen M. selbst hat dieser Schicksalsschlag ereilt.

Im Plauen aufgewachsen erlernte er den Beruf eines Facharbeiters für Wärmekraftanlagen. Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Steffen Marquardt in der Gewerkschaft Bau Holz sehr aktiv und setzte sich für seine Kolleginnen und Kollegen ein. Auf Grund seiner Anerkennung und Einsatzes war er bis zur Wende stellvertretender Leiter der Gewerkschaft Bau Holz in Plauen. Danach musste sich Steffen Marquardt beruflich neu orientieren.

Dabei half ihm sein größtes Hobby, die Musik, die ihn schon seit seiner Jugend begleitete. So legte Steffen Marquardt als DJ u.a. in der Ranch auf, wo er viele Leute begeisterte, die ihn heute noch kennen. Meistens unter seinen Spitznamen Margy. Auch mit eigenen Konzerten war er viel unterwegs. Auf seiner Website sind noch heute einige Titel von ihm zu hören, und es lohnt sich, mal reinzuhören.

Dann kam der Tag, der 2. Mai 2004, der das Leben von Steffen Marquardt komplett änderte. Nach einem schweren Schlaganfall lag er mehrere Wochen im Wachkoma. Ein Schicksal, dass in Deutschland jährlich rund 14.000 Menschen ereilt. Von heute auf morgen ist man plötzlich auf fremde Hilfe angewiesen, muss man je nach Schwere des Schlaganfalls Sprechen, Laufen, Essen usw. erst wieder neu erlernen.

Für Steffen Marquardt folgte eine Zeit, in der es nach gesundheitlichen Fortschritten Rückschläge gab. Doch nach anfänglichen Zweifeln über die Sinnhaftigkeit seines Lebens erwachte bei Steffen Marquardt wieder Lebensmut. Viel Unterstützung erhielt er in dieser Zeit von seinen Angehörigen und natürlich dem medizinischen Personal. Besonders seine Eltern halfen ihm wieder, Struktur in sein Leben zu bringen, wie er selber sagt.

Über die Selbsthilfegruppe Aphasie und der Selbsthilfegruppe jüngere Behinderte des VdK kam Steffen Marquardt zum Vital Verein, der 2010 gegründet wurde. Hier fand er schnell Anschluss und übernahm erste Aufgaben.

Nachdem der damalige Vorsitzende, Dr. Erich Rieger, sein Amt aus Altersgründen niederlegte, wurde Steffen Marquardt zum Vorsitzenden gewählt. Gemeinsam mit seinem Team, den Mitarbeiterinnen Franziska Borck, Stefanie Wolf und Christine Reinhold, konnte er den Vital Verein in den letzten Jahren weiter ausbauen. Ohne sie wäre vieles nicht umsetzbar gewesen. Auch dafür unseren Dank und unsere Anerkennung. Mittlerweile gibt es über 110 Mitglieder und Außenstellen in Reichenbach, Oelsnitz, Syrau, Klingenthal und Auerbach. Regelmäßig finden Sprechstunden für Betroffene und Angehörige statt, um u.a. Fragen zum Sozialrecht oder zur Akutbehandlung und Rehabilitation zu besprechen, sowie unterstützend bei der Alltagsbewältigung, den Aufbau sozialer Kontakte sowie bei der Vermittlung in Selbsthilfegruppen zu helfen.

Als Träger im Vogtlandkreis ist der Verein für die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung zuständig.

Bei den Beratungen und Gesprächen nutzt Steffen Marquardt oft die Möglichkeit, mit Betroffenen und Angehörigen auch über seine eigenen Erfahrungen und über alltägliche Dinge zu sprechen. Und manchmal, sagt Steffen Marquardt, muss man auch einfach nur zuhören, wenn die Leute ihre Gedanken und Ängste loswerden wollen.

Die Angebote des Vereins sind für Betroffene und deren Angehörigen sehr vielfältig. das geht von Tages- und Urlaubsreisen, Aktivtagen wie Grillen an der Pöhl, Wandern, Stammtischen, Malen, Töpfern bis hin zum Chorsingen. Und das Tolle daran ist, es wird keiner weggeschickt. Es erfolgt auch keine Bewertung, das Mitmachen und der Spaß daran zählen. „Spaß ist die beste Therapie“, wie Steffen Marquardt selber sagt.

In Schulprojekten und Vorträgen erfahren Außenstehende, mit dem Thema Schlaganfall und den Folgen umzugehen. Des Weiteren soll durch Aufklärung die Angst vor Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut werden.

Im Gespräch mit ihm habe ich gemerkt, wie sehr ihn diese Aufgabe am Herzen liegt. Nicht nur, dass er mit seinem Lebensmut und seinen Erfahrungen im Umgang mit den Symptomen des Schlaganfalls Betroffene motiviert, wieder am Leben teilzunehmen - er hat auch noch viele Ideen, die er gemeinsam mit seinem Team umsetzen möchte.

Dabei gilt das Motto: Nicht abwarten, sondern ausprobieren. Wie gut das funktioniert, haben das Benefizkonzert für Schlaganfallbetroffene und deren Angehörigen in der Ranch sowie der musikalische Kaffeetratsch im ASPIDA-Pflegecampus gezeigt. Dies waren sehr gelungene Veranstaltungen und die nächste Aktion, eine Fahrradtour, wird schon geplant. An der Umsetzung wird schon fleißig gearbeitet.

Dabei hängt natürlich vieles vom Geld und den Unterstützern ab. Ein umfangreiches Netzwerk, was sich Steffen Marquardt über die Jahre aufgebaut hat, hilft dabei. Ebenso konnte über die „Aktion Mensch“ und dem Landesfördermittelprogramm „Lieblingsplätze“ schon einige Vorhaben umgesetzt werden.

Dass Steffen Marquardt viele Leute kennt, macht es auch möglich, spontane Aktionen umzusetzen. Erst vor ein paar Tagen organisierte Steffen Marquardt kurzfristig auf Wunsch seiner Nachbarin und weiterer Bewohnern des ASPIDA-Pflegecampus einen Besuch im Bergwerk “Ewiges Leben“. Ein Anruf bei Gert Müller, dem „Herrn der Plauener Unterwelt“ genügte, und eine Führung unter Tage wurde ermöglicht. Ich finde, eine tolle Geste - von beiden, und, wie ich erfahren habe, nicht die erste. Beide partizipieren auch von-einander. Mit Hinweisen von Steffen Marquardt wurden bauliche Maßnahmen im Schaubergwerk durchgeführt, so dass auch Menschen mit Behinderung eine Führung „Unter Tage“ erleben können.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass Steffen Marquardt im Beirat für Menschen mit Behinderung des Vogtlandkreises und der AG Behinderte in der Stadt Plauen aktiv mitarbeitet. Als Betroffener testet er Dinge, übernimmt bereitwillig Aufgaben und bringt sich mit seinen Erfahrungen ein, was in diesen Gremien sehr geschätzt wird. Die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren, das ist dem Team und Steffen Marquardt ebenso wichtig. Die Betroffenen wollen kein Mitleid, sie wollen am gesellschaftlichen Leben wieder teilhaben. Hier ist die Gesellschaft und Politik in der Verantwortung.

Steffen Marquardt macht mit seiner Lebenseinstellung vor, was möglich ist, wenn man durch einen Schlaganfall aus seinem bisherigen Leben gerissen wird. Er ist damit beispielgebend für andere Betroffene.

Wir wünschen Dir, lieber Steffen Marquardt, und deinem Team im Vital Verein e.V. weiterhin viele gute Ideen, Durchsetzungskraft und Optimismus. Für die Zukunft alles Gute und vielen Dank für euren Einsatz.


Es gilt das gesprochene Wort. Gehalten wurde die Laudatio von der Fraktions-Geschäftsführerin Die Linke im Plauener Stadtrat, Petra Rank

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