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Datum: 29.05.2024

Optisches Highlight am neuen Rathauseingang fertiggestellt

Der neugestaltete Rathauseingang ist um einen Blickfang reicher. Die denkmalgerechte Restaurierung der Wandgestaltung von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht im Eingangsbereich des Neuen Rathauses ist abgeschlossen. Die Finanzierung erfolgte über die Wüstenrot Stiftung. Bei einer Werkbesichtigung am 29. Mai gaben Restaurator Martin Fliedner und Vertreter der Wüstenrot Stiftung und Stadt Einblicke in die Arbeit an dem 250 Quadratmeter großen Kunstwerk.

Die zwischen 1975 und 1976 entstandene abstrakte Wandgestaltung von Karl Heinz Adler und Friedrich Kracht im Eingangsbereich des Neuen Rathauses Plauen ist eines der seltenen Beispiele architekturbezogener Kunst im öffentlichen Raum in der DDR der 1970er. Die abstrakte Bildsprache und imposante Größe von 250 Quadratmetern machen das Werk einmalig. Zudem stellt das von Adler und Kracht verwendete, patentierte Verfahren der keramischen Granulatbeschichtung eine Innovation der Nachkriegsmoderne dar. Das farbintensive Flächenkunstwerk, im Volksmund auch „Geisterbahn“ genannt, war in der DDR durchaus umstritten und nur elf Jahre sichtbar. 1987 wurde es mit Sandsteinplatten verkleidet und geriet in Vergessenheit. Die Wiederentdeckung erfolgte erst dreißig Jahre später, als das Rathaus saniert werden sollte und Probebohrungen sowie die Freilegung von Einzelflächen 2017 ein erstaunlich gut erhaltenes Kunstwerk zutage förderten. Es folgten eine Restaurierungskonzeption und 2019 der Beschluss des Stadtrats zur Freilegung, Reinigung, Putz- und Farbergänzung sowie Konservierung des Wandbildes. Die Maßnahmen wurden fachlich vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen und der unteren Denkmalbehörde der Stadt Plauen sowie von der Wüstenrot Stiftung begleitet, die wissenschaftliche und planerische Unterstützung leistete und die Restaurierung mit rund 165.000 Euro finanzierte.

Oberbürgermeister Steffen Zenner informierte am Mittwoch (29. Mai) zusammen mit dem Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, Prof. Philip Kurz, Alf Furkert Sächsische Landeskonservator,  sowie dem Diplomrestaurator Martin Fliedner aus Pöhl über den Werdegang der Sanierung. Außerdem vor Ort waren Torsten Nimoth vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Dagmar Groß von der Denkmalpflege der Stadt Plauen sowie Thomas Knappheide von der Projektsteuerung für die Wüstenrot Stiftung.

Oberbürgermeister Steffen Zenner: „Das historische Kunstwerk von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht im Eingang unseres Plauener Rathauses ist ein echter Blickfang. Ich bin aufrichtig froh, dass es gelungen ist, dank der Wüstenrot-Stiftung ein solch besonderes und großflächiges Kunstwerk aus DDR-Zeiten zu retten und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Werk in seiner Seltenheit Kunstkenner und -schätzer nach Plauen zieht. Ich freue mich sehr, dass der neue Haupteingang dadurch eine gelungene Verbindung von alt und neu erhalten hat. Ein großer Dank gilt der Wüstenrot Stiftung, die die aufwendige Restaurierung des Werkes überhaupt erst möglich gemacht hat.“

Nach Abschluss der Restaurierung wird das neu gestaltete Foyer des Rathauses zur Langen Nacht der Muse(e)n am 21. Juni offiziell eingeweiht.

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Hintergrund

Zum kulturellen Erbe in Deutschland zählt auch das kulturelle Erbe der DDR mit einer großen Anzahl an Kunstwerken im öffentlichen Raum. In den vergangenen 30 Jahren wurden etliche dieser Arbeiten zerstört bzw. überformt. Auch heute noch leiden viele Werke unter Verfall, Abriss und oftmals auch noch unter fehlender Wertschätzung - obwohl ihre künstlerische, historische und auch soziologische Bedeutung nur noch selten in Frage steht. Dazu kommt der Wunsch vieler Menschen, »ihre« Kunst im öffentlichen Raum als identitätsstiftendes Element zu behalten und zu erhalten bzw. zurückzubekommen. Die Wüstenrot Stiftung hat deshalb 2019 das Programm »Baubezogene Kunst in der DDR« ins Leben gerufen.

Bild vergrößern: Eröffnung Eingangsbereich / Adler-Kracht-Kunstwerk | Gruppenbild der Beteiligten © Stadt Plauen
Gruppenbild der Beteiligten an der Eröffnung Eingangsbereich / Adler-Kracht-Kunstwerk
von links nach rechts von oben nach unten:
Hendrik Felber, Bauüberwachung iproplan Planungsgesellschaft mbH, Chemnitz; Torsten Nimoth, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Dresden; Nadine Schäfer, Leiterin Medien und Projektleiterin der Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg; Prof. Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg;Thomas Knappheide, Projektsteuerung für die Wüstenrot Stiftung, Büro Knappheide, Wiesbaden; Tobias Kämpf, Bürgermeister Geschäftsbereich I; Martin Fliedner, Diplom-Restaurator, Möschwitz; Steffen Zenner, Oberbürgermeister der Stadt Plauen; Jana Sachse, Eigenbetrieb GAV Stadt Plauen; Detlef Mevius, iproplan Planungsgesellschaft mbH, Chemnitz; Dipl. Ing. Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Dresden; Dagmar Groß, Stadt Plauen, Untere Denkmalschutzbehörde; Sonnhild Müller, engagierte Bürgerin in der Stadt Plauen