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Stadtplakettenverleihung 2019

Bei der Festveranstaltung am 11. Oktober 2019 in der Galerie des Malzhauses überreichte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer eine Stadtplakette der Stadt Plauen an Margitta Schier. Für dreizehn Vereine gab es außerdem den Bürgerpreis der Stiftung der Sparkasse (Verein Plauener Spitzenfest; Initiative Plauen; Unikat e.V.; "Vergißmeinnicht" Plauen; Feuerwehren Mitte, Neundorf, Großfriesen, Jößnitz, Kauschwitz, Stöckigt, Straßberg, Thiergarten, Zwoschwitz).

Nachwuchskünstler aus dem Vogtlandkonservatorum "Clara Wieck" und dem Tanzverein "Vergissmeinnicht" sorgten während der Festveranstaltung für weitere Glanzpunkte.

Hohe Auszeichnung für Margitta Schier

"Das mit der Stadtplakette, das freut mich. Es ist schön, weil es zeigt, dass meine Ideen nicht als Spinnerei abgetan werden", sagt Margitta Schier. Doch typisch für die 69jährige fügt sie sofort hinzu. "Aber das hab ich ja nicht allein gemacht, es sind vier Frauen, die zu den Weberhäusern gehören, auch Kerstin Rüffer, Elke Götze-Pietschmann und Anja Werner."

Margitta Schier begann vor 20 Jahren als erste, die schon fast verfallene, rund 500 Jahre alte Häuserzeile in der Elsteraue zu entrümpeln und ihr wieder Leben einzuhauchen. 2002 startete der Werkstattbetrieb. Inzwischen sorgt der Unikat-Verein mit vielen Veranstaltungen, ständig neuen Ideen und engen Beziehungen zu Schulen und Vereinen dafür, dass das am Rande der Innenstadt liegende Areal immer wieder im Fokus der Plauener steht. Es gab viele freudige Momente, aber auch Tränen sind geflossen, wenn immer mal wieder ein Ende drohte.

Verleihung der Stadtplakette am 11. Oktober 2019

Verleihung der Stadtplakette am 11. Oktober 2019

Es ist auch auf Margitta Schier und den Unikat Verein zurückzuführen, dass die Elsteraue jetzt großflächig neugestaltet wird. "Vom Weisbachschen Haus über die Weberhäuser, die Handwerkehöfe, die Hempelsche Fabrik und den Komturhof bis hin zu den Luftschutzkellern und dem Schloss kann man die Geschichte Plauens auf nicht mal zwei Kilometern erleben", schwärmt sie. Dabei verschweigt sie nicht, dass damit auch ein Stück ihrer persönlichen Geschichte erhalten bleibt. Als die Fabrik zum VEB Plauener Spitze gehörte, hat sie hier als Textilingenieur gearbeitet.

Margitta Schier wünscht sich, dass die Weberhäuser mit den Hexen durch die Stadt stärker vermarktet werden. Sie hofft auch, dass sich noch mehr ehrenamtliche Helfer dem Verein anschließen. Sie selbst will alle Fälle in "ihren" Weberhäusern und bei der Umgestaltung der Elsteraue weiter aktiv mitwirken.

Margitta Schier im romantischen Garten der Weberhäuser.

Margitta Schier im romantischen Garten der Weberhäuser.

Außerdem will die vierfache Mutter und siebenfachen Oma auch andren ihr Plauen noch näher bringen. Dafür hat sie jetzt erfolgreich an der Ausbildung zur Stadtführerin teilgenommen.

Sie weiß, woher sie die Energie für alles nimmt. "Wir haben oft 40 Kinder hier, töpfern oder filzen mit ihnen, zeigen alte Handwerkskunst, zaubern ihnen als Hexen einen schönen Tag. Wenn sich die Kinder dann bedanken und singend gehen, dann weiß ich, dass ich weiter mache.

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Laudatio auf Margitta Schier

Sehr geehrte Damen und Herren,
anlässlich der Verleihung der Stadtplakette an Frau Margitta Schier erlaube ich mir, vor der eigentlichen Würdigung der Preisträgerin einige Hintergründe der Entwicklung der Weberhäuser darzustellen. Sie finden diese wildromantische Häuserzeile unterhalb von Malzhaus und Johanniskirche im Herzen der Stadt. Man kann auch sagen, sie ist deren Seele.

Nach der Wende trennten sich viele Betriebe von ihren Kultureinrichtungen. Die Bürgermeisterin von Jößnitz bewahrte den Keramikzirkel, sicherte Material und Öfen. So konnte Margitta Schier 1995 über eine ABM-Stelle eingestellt werden. Ihr fiel auf, dass es an künstlerischen Angeboten mangelte, weshalb die Idee eines Kinderkunstzentrums geboren wurde. Durch die Eingemeindung von Jößnitz wurde dieser Plan jedoch verhindert, da deshalb die Landfrauenförderung entfiel.

Durch einen Zufall bekam M. Schier jedoch die Weberhäuser zur Nutzung angeboten. Die Konzeption des Kinderkunstzentrums wurde angepasst, der Werkstattbetrieb begann 2002. Kindern und Jugendlichen wurde und wird auf vielfältige Weise die historische Entwicklung der Stadt , aber auch ökologisches Denken nahe gebracht. Sie sollen Handarbeit erfahren. Die Authentizität der alten Häuser sorgt dafür, dass sie sich wohlfühlen und die alten Gewerke ausführen. Dabei leistet der Unikat- Verein eine Arbeit, die von Schulen und Horten, Kindergärten und anderen Einrichtungen nicht geleistet werden kann.

Seit 2004 arbeitet der Verein mit dem KARO e.V. und der Schaustickerei zusammen. Aktionen, die Frauen initiierten, wurden begleitet. Eine Broschüre mit dem Titel " Frauen in Plauen" entstand. Die Projekte "Nothalt" und "Verstricktes" entstanden. Ersteres sorgt dafür, dass Kinder in Schwierigkeiten einen Anlaufpunkt haben, letzteres soll die Handarbeit Stricken beleben. Vielfältige Projekte entstehen und bestehen. Das alles würde es wohl so nicht geben ohne unsere heutige Preisträgerin.

Als Margitta Schier vor fast 20 Jahren beginnt, sich dem Projekt Weberhäuser zu widmen, bietet sich plötzlich eine überraschend andere Ansicht der alten, verfallenen Häuser. Behutsam nimmt sie Veränderungen vor, füllt das Innere mit neuem, kreativen Leben. Dabei bricht sie auch mit Erwartungen - sie nimmt sich die Freiheit, ihre wunderbaren Ideen umzusetzen.

Natürlich begegnen ihr dabei Widerstände. Ständig kämpft sie, oft wie David gegen Goliath, aber tapfer macht sie sich immer wieder auf, Unterstützer und Sponsoren, Freunde und Helfer zu finden. Sie verteidigt ihre Ideen gegen Skepsis und Missgunst. So entsteht und besteht ein in Plauen, im Vogtland einzigartiges Ensemble. Heute kann man in den vom Unikat-Verein betreuten Häusern längst vergangenen Zeiten nachspüren, kann Kerzen ziehen, Filzen, Töpfern, Geschenke für Geburtstage, Ostern oder Weihnachten anfertigen. Es gibt die beliebten Filmnächte, keltische Nächte, den Klanggarten… und wer will sich die Adventszeit ohne den Weihnachtsmarkt in den verzauberten Häuschen vorstellen? Im Laufe der Jahre haben sich das Innere und das Äußere der Häuser verändert. Die Moderne ist eingezogen, neue Räume wurden gestaltet, neue Ideen geboren.

Margitta Schier hat Mitstreiter an ihrer Seite, die ebenso unermüdlich, kreativ, ideenreich, unendlich geduldig und bewundernswert hartnäckig sind. Sie jedoch ist der gute Geist. Ob beim Frühstücksritual, bei dem der Tag besprochen wird, beim Gestalten der Außenbereiche mit jahreszeitlich angepassten Dekorationen, beim Aufstellen von Blumensträußen, dem Waschen der Wäsche oder all den anderen "Kleinigkeiten", die von früh bis spät anstehen - sie erfüllt ihre selbst auferlegte Verpflichtung jeden Tag. Dabei ist dies nicht ihre einzige Beschäftigung. Margitta Schier ist im Ortschaftsrat Jößnitz tätig, sie ist Mitglied des Schloss-Fördervereins, leitet Keramikkurse im Ort und hat ein weiteres Kleinod zum Leben erweckt. Seit einigen Jahren bringt sie den Jößnitzer Park voran, gestaltet das Badehäuschen und den Spielplatz. Trotz einiger herber Rückschläge wegen Vandalismus gibt sie weder hier noch in der Elsteraue auf. Heute trifft man vor allem junge Familien im Park. Er ist ein Treffpunkt geworden, und Margitta Schier ist Ansprechpartnerin für Mütter und Kinder, ist eine Frau, die sich kümmert.

Hauptsächlich arbeitet sie mit Kindern und Jugendlichen. Wer sie dabei sieht, erkennt, wie schnell diese sie annehmen. Sie hat sich einen kindlichen Blick auf die Dinge bewahrt, und das ist ein riesiger Gewinn. Bei ihr dürfen Kinder selber probieren, machen, auch scheitern. Sie will nicht erziehen und tut es dennoch, ohne den erhobenen pädagogischen Zeigefinger. Ein weiteres Projekt ist im Entstehen - mit eigenem Geld hat sie ein Haus in Jößnitz erworben, in dem ein Dorfmuseum entstehen soll. Erste Veränderungen sind von außen bereits zu erkennen.

Bleibt die Frage, woher diese Frau diese ungeheure Energie nimmt? Ohne die Unterstützung vor allem des Ehemannes ist diese schier unglaubliche Fülle an Aufgaben nicht zu bewältigen. Anlässlich ihres 60. Geburtstages verleiht sie der Freude Ausdruck, dass ihr Mann sie immer unterstützt, immer hinter ihr steht.

Aber woher nimmt sie die Zeit? Hat ihr Tag mehr als 24 Stunden, ihre Woche mehr als 7 Tage? Diese Frage, sehr geehrte Damen und Herren, kann nur von ihr selbst beantwortet werden. Margitta Schier ist keine "Einheimische", sie kam als Kind mit ihren Eltern aus Chemnitz nach Jößnitz, aber sie hat sich augenscheinlich gleich heimisch gefühlt und dieses Gefühl nach außen getragen. Ihre Weitläufigkeit und Offenheit spiegelt sich heute auch in ihren vier Kindern, die ja auch erzogen und zu Erwachsenen geformt werden mussten.

In einem Alter, in dem sich ein Mensch mit gutem Recht zurückziehen, ausruhen dürfte, in dem manch einer die Brocken hinwirft, stürzt sie sich leidenschaftlich auf Neues. Margitta Schier war und ist für mich ein Vorbild, sie inspiriert dazu, tätig zu sein, auch stur, hartnäckig Ideen zu verteidigen und nicht aufzugeben. Ich freue mich sehr, dass ihr heute die Stadtplakette der Stadt Plauen verliehen wird. Dazu gratuliere ich ganz herzlich.

Claudia Hänsel
Fraktionsvorsitzende Die Linke.

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