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Plauener Spitze - Eine weltbekannte Marke im Wandel der Zeiten

Von der weltbekannten Luftspitze um 1900 bis zu zeitgenössischen Designkollektionen – die Plauener Spitze hat sich über mehr als ein Jahrhundert immer wieder neu erfunden. Wie eng Tradition und Innovation dabei bis heute miteinander verbunden sind, zeigt die 2023 eröffnete Fabrik der Fäden im ehemaligen Manufakturgebäude in der Bleichstraße. Dort lässt sich erleben, welche Bedeutung das Spitzenhandwerk für Identität, Wirtschaft und Stadtbild Plauens hatte und weiterhin hat.

Mit elegant geschwungenen Buchstaben strahlt der instandgesetzte LED-Leuchtreklame-Schriftzug „Plauener Spitze bekannt auf dem Weltmarkt“ vom Dach des Firmengebäudes an der Dürerstraße in die Stadt hinein bis hinüber zur „Fabrik der Fäden“. Einst thronte der monumentale Schriftzug aus den 1970er Jahren auf dem Sozial- und Bürogebäude des VEB Plauener Spitze. Der originale Ornament-Logobuchstabe „P“ zieht heute als restauriertes Relikt hinter der Glasfassade des Museums an der Bleichstraße die Blicke auf sich. Er verbindet Vergangenheit und Gegenwart. Im multimedial erlebbaren barocken Manufakturgebäude wird vogtländische Textilgeschichte von der Blütezeit bis zu den Wendungen und Umbrüchen der Gegenwart aus verschiedenen Perspektiven für alle Generationen beleuchtet. 

Einzigartige Erlebniswelt in der Elsteraue

Seit der Eröffnung vor zwei Jahren schauten sich schon über 50.000 Besucher – darunter zahlreiche Gäste aus dem Ausland – in der Ausstellung um. Fachdirektor Sebastian Dressel freut sich über das große Interesse. „Ich bin zufrieden. Die Besucherzahlen gehen in die richtige Richtung.“ Umgeben von effektvollen Rauminszenierungen tauchen sie in eine einzigartige Erlebniswelt ein. Hier verschmelzen meisterhaft gefertigte Spitzenmuster, elegante Kleider, spannende Projektionen, technisches Know-how und Zeitzeugenvideos zu einem lebendigen Zeitstrahl. Beim Rundgang durch den Museumskomplex in der Elsteraue werden die verschiedenen Epochen dieser stadtprägenden Entwicklungen kaleidoskopartig reflektiert. Es gibt Führungen, Vorträge und Kreativstationen für alle Generationen. Hersteller, ehemalige Beschäftigte und Kreative der regionalen Textilbranche treffen sich hier regelmäßig zum lebendigen Austausch. 

Kreative Impulse für hochwertige Stickerei

Das Museums-Team baut immer wieder neue Ideen ein. Familienfreundlichkeit wird großgeschrieben. An der Puzzlestation können Kinder spielerisch eine Wickeldecke zusammensetzen. Das Zusammenfügen der einzelnen Teile steht für die aufwendige Herstellung eines filigranen Gesamtkunstwerkes aus Plauener Spitze. Genau dieses Gefühl der Wertschätzung für ein besonderes Produkt, das Plauen einst zum Erblühen brachte, will der Museums-Chef bei der jungen Generation erzeugen. Sonderschauen gehören zum Konzept. Die aktuelle Schau setzt sich mit den textilen Arbeitswelten speziell von Frauen in der DDR auseinander. Zwischen Broterwerb, Kinderbetreuung mussten sie auch noch den Haushalt schmeißen. Museumsbesucher haben die Möglichkeit, sich an einem typischen Heimarbeiterplatz auszuprobieren.

Plauener Musterungen – Ein Qualitätsversprechen auf Weltniveau

Plauener Spitze ist eng mit technischen Innovationen wie der maschinellen Herstellung von Tüllspitze und dem Einsatz von Schiffchenstickmaschinen verknüpft. Die aus der Masse herausstechendenSpitzenmuster galten als exklusive Statussymbole der Reichen und Schönen. Plauens Aufstieg zur Spitzenmetropole gipfelte 1900 in einem Grand Prix auf der Pariser Weltausstellung. Plauener Musterungen galten fortan als Qualitätsversprechen und Exportschlager. Im Goldenen Zeitalter glaubten Stickerei-Barone an den ewigen Reichtum durch Spitze. Neben den vielen Stickereien florierte auch der Amüsierbetrieb im Stadtgebiet. Großstadtflair machte sich breit. Plauen war das Zentrum der deutschen Stickerei-Industrie. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in der Stadt 128.000 Einwohner.

Schwierige Umbrüche und Strukturwandel

Neue Einflüsse in der Modewelt und zwei Weltkriege bremsten den Industriezweig aus. Zu DDR-Zeiten lebten die Geschäfte durch hohes Exportvolumen wieder auf. Die einzelnen Produktionsstätten wurden an den Volkseigenen Betrieb (VEB) Plauener Spitze angegliedert. Nach dem Zusammenbruch des Arbeiter- und Bauernstaates folgte ab 1990 der nächsten tiefgreifende Strukturwandel. Abwicklungen der volkseigenen Betriebe und Privatisierungen veränderte die Branche vogtlandweit massiv. Die globale Marktverschiebung in Richtung Asien taten ihr Übriges. In diesem hartumkämpften Markt behaupten sich in der Region heute nur noch wenige ambitionierte Textil-Unternehmen. 

Bild vergrößern: Ansicht auf die Schornsteine der Elsteraue um 1930
Ansicht auf die Schornsteine der Elsteraue um 1930

Chancen im Nischensegment

Die wandelbare Spitzenstickerei mit ihren mechanischen und handwerklichen Raffinessen begeistert auch Andreas Reinhardt. Der Vorsitzende des Branchenverbandes Plauener Spitze und Stickereien hält zusammen mit seinen Mitstreitern die Qualitätsmarke hoch. Der 1990 gegründete Verband setzt sich für den Schutz des historischen Erbes, die Förderung hochwertiger Stickerei-Produktion, deren Vermarktung sowie für die Nachwuchsförderung in den Berufen der Stickerei-Industrie ein. „Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert“, weiß Reinhardt, der auch Geschäftsführer der Modespitze Plauen GmbH an der Annenstraße ist. Die Unternehmen der Stickerei-Industrie sehen sich einem gigantischen Preis- und Importdruck ausgesetzt. Während zu DDR-Zeiten im großen Stil auf Massenproduktion gesetzt wurde, liegt die Zukunft nun in aufwendig gefertigten Produkten aus hochwertigen Materialien und kleinen Auflagen. „Du musst den Kunden etwas Exklusives bieten“, weiß der Branchenverbandschef. „Gefragt ist das fertige Endprodukt.“ Zu den Angeboten im Manufakturladen der Modespitze zählen beispielsweise elegante Schals und Boleros, dekorative Scheibengardinen sowie aufwendig gefertigte Spitzendecken.  

Authentisches Kleinod mit ratternden Stickmaschinen

Inspiriert von alten Musterbüchern entstehen auch in der Schaustickerei am Obstgartenweg im Plauener Ortsteil Reusa Spitzenprodukte. So wird Tüllspitze zu Schals, Taschen und Accessoires verarbeitet. Im Museums-Shop wird man fündig. Das Besondere am Standort: In der ehemaligen Lohnstickerei zeigen die Gastgeber um Museumsleiterin Gabriele Rudolph alle maschinellen Stickverfahren an einem Ort. Die Ausstellung vermittelt, wie Plauener Spitze im Laufe der Zeit hergestellt wurde. Der ölige Geruch von Schmierstoff liegt in der Luft. Im authentischen Kleinod rattern über 100 Jahre alte Maschinen. 


  • Interview Spitzenprinzessin

    - geführt im November 2025 -

    Was hat Sie dazu bewogen, als Spitzenprinzessin in die Verlängerung zu gehen? 

    In erster Linie macht es mir großen Spaß, Plauen und den Branchenverband Plauener Spitze und Stickereien zu repräsentieren. Für mich ist es eine Ehre, den Titel tragen zu dürfen. Mir geht es darum, die Stadt mit ihrer spannenden Textilgeschichte über die Region hinaus bekannt zu machen.

    Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?   

    In meiner bisherigen Amtszeit habe ich interessante Persönlichkeiten kennenlernen dürfen. Ich bin gut vernetzt und kann helfen, Projekte anzuschieben. Die Begegnungen mit den Menschen geben mir selbst viele neue Impulse.

    An welche Highlights Ihrer ersten Amtszeit erinnern Sie sich besonders gern?

    Da gab es viele schöne Momente. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum 900 Jahre Plauen mit dem Festgottesdienst in der Johanneskirche und die Eröffnung der Fabrik der Fäden zählen dazu. Ein ganz besonderes Erlebnis war mein Besuch im Zillertal anlässlich 125 Jahre Plauener Hütte. Als das neue Gipfelkreuz aufgestellt wurde, war ich dabei. Zu den schönen Erinnerungen gehören außerdem die Liveübertragung des MDR-Osterfeuers am Vogtlandstadion und die Eisbahn-Premiere zum Plauener Weihnachtsmarkt.  

    Mit welchen Ambitionen gehen Sie in Ihre zweite Amtszeit?

    Wenn es möglich ist, will ich mich als Spitzenprinzessin noch mehr in der Öffentlichkeit zeigen und für alle Plauener und Vogtländer nahbar sein. Es bleibt dabei, dass ich vieles in Eigenregie ankurbeln möchte.

    Sicher wollen Sie auch die jungen Leute ihrer Generation für die Spitzenstadt begeistern.    

    Unbedingt. Ich will zeigen, was alles in Plauen steckt und was man hier erleben und unternehmen kann.

    Wie sehen Sie die Plauener Spitze heute im Rückblick auf die Boomzeit, die der Stadt damals einen enormen Entwicklungsschub gab?

    Für mich ist die Plauener Spitze nicht nur Geschichte. Sie ist immer noch fest mit der Stadt verwurzelt und sollte nicht in Vergessenheit geraten. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen der Plauener Textilgeschichte und den Möglichkeiten von heute. Spitze muss auf jeden Fall für die Plauener und Besucher sichtbar und erlebbar sein.

    Die Fabrik der Fäden ist so eine multimediale Erlebniswelt.  

    Absolut. Nun gilt es, möglichst viele Besucher und speziell auch Kinder für das interaktive Museum in der Elsteraue zu begeistern. Dabei will ich gerne mithelfen.

    Auf was freuen sie sich besonders in nächster Zeit?

    Auf ein neues Spitzenprinzessinnen-Kleid. Es ist bereits in Arbeit.

    Sie haben in Jena und Leipzig Medizin studiert. Wie ist der Stand der Dinge?

    Mein zweites Staatsexamenhabe ich erfolgreich bestanden. Nun bin ich gespannt auf das praktische Jahr in Greiz und Zwickau. Nächstes Jahr steht noch die Verteidigung meiner Doktorarbeit an.

    In welchem medizinischen Umfeld wollen Sie später arbeiten? 

    Mit großer Wahrscheinlichkeit werde ich Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie. Sportmedizin ist auch ein interessantes Thema für mich.

    Welchen Traum wollen Sie sich in ihrem Privatleben erfüllen?

    Unbedingt will ich im Meer vor Thailand zusammen mit den Wahlhaien tauchen. Den Tauchschein habe ich beim Tauchclub Nemo Plauen gemacht.

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