Statische Sicherung abgeschlossen: Mauerrest der ehemaligen Plauener Synagoge gerettet
Mit der Bauabnahme der gesicherten Synagogenmauer am 24. Oktober konnte die statische Sicherung des Mauerrestes der 1938 zerstörten Plauener Synagoge erfolgreich abgeschlossen werden. Beim Vor-Ort-Termin waren der beauftragte Bauplaner Dipl.-Ing. (BA) Thomas Schafferhans, Marcel Becker, Inhaber der unter Vertrag genommenen Bernd Becker Bauunternehmung, von der Stadt Plauen unter anderem Jeanette Pfeiffer (Fachgebiet Stadtplanung und Umwelt), Frank Wurziger (Fachgebiet Tiefbau) sowie Projektkoordinator Clemens Uhlig dabei.
„Im Namen von Kulturbürgermeister Tobias Kämpf bedanke ich mich bei allen Baubeteiligten für die gute und produktive Zusammenarbeit. Die Maßnahme konnte dank der Fördermittel und einem erfolgreichen Crowdfunding komplett ohne städtische Eigenmittel gestemmt werden“, so Clemens Uhlig.
„Im Zuge der im Juli begonnenen Baumaßnahme wurde in drei Bauabschnitten das rückseitige Erdreich an der denkmalgeschützten Mauer freigelegt, dort eine Schwergewichtswand aus Stahlbeton eingebaut und mit dem historischen Mauerrelikt verbunden. Die Standsicherheit des zuvor einsturzgefährdeten Bauwerkrestes ist somit statisch-konstruktiv gesichert“, so Ingenieur Thomas Schafferhans.
Im nächsten Schritt gilt es nun, die Synagogenmauer denkmalgerecht zu sanieren. Hierzu gab es jüngst eine Begutachtung mit Experten des Landesamtes für Denkmalpflege und des Institutes für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V. Aus dieser wird nun eine Konzeption zum langfristigen Erhalt entstehen. Die notwendigen restauratorischen Arbeiten am Putz sowie an der großformatigen Ausbruchstelle sollen bereits im ersten Halbjahr 2026 stattfinden.
Zugleich nehmen die Pläne zur Einrichtung eines Gedenk- und Begegnungsortes Gestalt an. Mit dem Grundstückseigentümer, der Adventgemeinde Plauen der Siebenten-Tags-Adventisten, werden Möglichkeiten einer öffentlichen (Teil-)Nutzung besprochen. Im Zentrum steht dabei das Mauerrelikt als einziger baulicher Zeuge des früheren Gebäudes, das von den Nationalsozialisten in der Pogromnacht in Brand gesetzt und zerstört worden war. Die Arbeitsgruppe „Bruchstelle 1938“ unter Leitung von Bürgermeister Tobias Kämpf hat sich in ihrer jüngsten Sitzung auf Grundlinien geeinigt:
„Die eigentliche Mauer soll nur in zurückhaltender Weise gestaltet werden - und zwar in Anlehnung an den authentischen Ort der Wochentagssynagoge, an die sie damals grenzte. Historische Hintergrundinformationen wird es im zukünftigen Gedenkort sowohl in analoger als auch digitaler Form geben“, fasst Bürgermeister Tobias Kämpf zusammen.
Geplant ist außerdem die Einbeziehung der virtuellen Rekonstruktion der Synagoge, die um 2000 von der TU Darmstadt erstellt wurde. Die zukünftige digitale Anwendung soll Einzelbesuchern, aber vor allem auch Gruppen wie etwa Schulklassen helfen, sich dem Ort anzunähern. Die Universität konnte neben der HTW Dresden als Projektpartner gewonnen werden. Die Finanzierung der geplanten Vorhaben hängt von Fördermitteln ab.
Unter Einbeziehung der Bürgerschaft entsteht somit an diesem stadtgeschichtlich bedeutenden Ort ein sichtbarer Fingerzeig auf das einstige herausragende Bauwerk von Fritz Landauer, zugleich aber auch ein zukunftsträchtiger Ort der Begegnung und des Austauschs.
Alle Informationen zum Projekt gibt es unter www.plauen.de/bruchstelle1938