Alte Kaffeerösterei feiert 30-jähriges Bestehen
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Mehr zur Alten Kaffeerösterei
𖡡 Hans-Sachs-Straße 49
Konzerte, Partys, Subkultur und 30 Jahre Kulturfabrik: Aktuelle Termine und Infos zur Alten Kaffeerösterei gibt es online unter www.altekaffeeroesterei.de
Kein glattpolierter Mainstream:
Frische Partyformate und alternative Livemusik jenseits vom glattpolierten Mainstream sind die Aushängeschilder des Kulturzentrums Alte Kaffeerösterei. Im Fabrikgebäude an der Hans-Sachs-Straße 49 fühlen sich junge und jung gebliebene Partygänger gleichermaßen zuhause. Von Punk über Hip-Hop, Ska, Heavy Metal bis Jazz, Indie und Dark Wave ist alles möglich. In diesem Jahr feiert die „Röste“ ihr 30-jähriges Bestehen. Der runde Geburtstag soll in den nächsten Monaten in den Köpfer des Publikums präsent bleiben. Deshalb hat sich das Röste-Team einiges einfallen lassen. Neben Festival-Krachern wird das eine oder andere Kult-Special liebevoll entstaubt und wiederbelebt.
Kulturfabrik wird zweites Wohnzimmer
Im Januar 1996 gingen im Haselbrunner Industriegebäude offiziell die Lichter an. Michael Bühring ist von Anfang an dabei. Die Kulturfabrik im Plauener Stadtteil Haselbrunn, die seit 2003 im Vereinsregister steht, ist sein zweites Wohnzimmer geworden. Den Laden schmeißt der 61-Jährige zusammen mit Vereins-Chefin Katja Kny und weiteren Unterstützern. Rückblickend kann er es selbst nicht glauben, dass er bei diesem Projekt schon drei Jahrzehnte aktiv mitwirkt. Vieles hat der Mann der ersten Stunde noch lebendig vor Augen.
Als zum ersten Konzert die Lichter ausgingen
Zum ersten Konzert reiste die Leipziger Band „Die Art“ mit ihrem charismatischen Frontmann „Makarios“ an. Als plötzlich der Strom ausfiel, hatten die Gastgeber schlagartig erhöhten Puls. „Bei der Zugabe gingen die Lichter aus“, erinnerte sich der Spitzenstädter. Es sollte noch schlimmer kommen: „Niemand von uns wusste, wo der Hauptschalter ist.“
Rosenstolz und Himbeereis zum Frühstück
Fortan machte die Location im Plauener Norden von sich reden. Die neuen Veranstaltungsformate zündeten. Unvergessen die Schlager-Party „Himbeereis zum Frühstück“ mit Interpreten vom Plauener Theater. In den 90er Jahren war vieles möglich. Sogar die Ostrocklegenden von „City“ packten im Kulturzentrum ihre Instrumentenkoffer aus. Legendär sind die beiden Rosenstolz-Konzerte (1996/97) mit der melancholisch-kraftvollen Stimme von „AnNa R.“ Zusammen mit ihrem Musikerkollege Peter Plate enterte sie wenige Jahre später die großen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Die Konzertplakate von ihren Auftritten in der „Röste“ bewahrt der Dauerbrenner vom Dienst zuhause als Zeitdokumente dieser Ära auf.
Schrill, schräg und abgefahren
Bizarre Bühnen-Spektakel sorgten immer wieder für Furore. So kombinierte Carlos Martinez hartgekochten Rockmusiksound mit einer Wrestling-Show. Während die Boxen vibrierten, gingen die Kämpfer in einem extra aufgebauten Ring vor der Bühne aufeinander los. Schrill und schräg gab sich auch Fun-Punk-Ikone Vicki Vomit. In bis zu den Knien reichende Plateaustiefeln grätschte der exzentrische Thüringer mit provozierendem Liedgut im Gepäck ins Rampenlicht. Etliche Veranstaltungsplakate aus diesen Jahren entdeckt man im Raum neben dem in Kaffeebohnenoptik gestalteten Zentral-Tresen.
Kultige Depeche-Mode-Partys
Kult sind die Depeche-Mode-Partys. Seit 1999 huldigt DJ Carsten Zerbaum die unsterblichen Hymnen der britischen Synthie-Pop-Band. Das Besondere: Der Edel-Fan war schon zu über 100 Live-Konzerten Front of Stage dabei. Mit energiegeladenen Live-Tracks und ausgewählten B-Seiten erfolgreicher Singles verzückt er die Fangemeinde immer wieder aufs Neue. Dark-Dance-Specials ergänzen das breitgefächerte Event-Spektrum. Ende der 1990er-Jahre wechselte die schwarze Szene vom Plauener Seehaus-Club nach und nach in die Haselbrunner Location.
Hier leuchten die Sterne der lokalen Musikszene
Im Röste-Kosmos leuchten auch die Sterne der lokalen Musikszene. Nachdem ihr viertes Studioalbum „Pilger“ das Licht der Welt erblickte, gab die Plauener Artrock-Band „Polis“ kürzlich ein Release-Konzert. Vor dem Jahreswechsel (30. Dezember) sind die Musiker an gleicher Stelle erneut mit klanggewaltigen Instrumentalpassagen am Start. Beim Rebirth Fest Open Air entfaltet die lokale Metal-Szene ihre volle Kraft. Am 22. August ist es wieder so weit.
Teenie-Discos, Jam-Sessions und High-Speed-Techno
Hohen Stellenwert hat die „Junge Kaffeerösterei“. Regelmäßig starten die Gastgeber die Teenie-Disco. Gute Kontakte pflegen die Hausherren zum Vogtlandkonservatorium, speziell zur Jazzcombo und zur Bigband der Musikschule. Inspirierende Jam-Sessions wechseln mit einstudierten Auftritten. Besonders angesagt sind Techno-Events im High-Speed-Format. Unter dem Motto „All about Tekkno“ wird den Fans dieses Genres jeden Monat eine fette Party mit kompromisslos treibenden Bässen geboten. Das Event lockt mittlerweile Besucher aus der gesamten Region an.
Netzwerken im Stadtteil
Die Hausherren sind Teil der Initiative Haselbrunn bewegt. Das Netzwerk, bestehend aus Vereinen, Institutionen, Gewerbetreibenden und engagierten Privatpersonen, fördert das Miteinander im Stadtteil. Zur Filmnacht auf dem Markusplatz (11. September) ist die „Röste“ mit eingebunden.
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Interview Bühring
- geführt im Mai 2026 -
Du bist drei Jahrzehnte aktiv in der „Röste“ am Start. Was geht dir da so durch den Kopf?
„Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass ich so lange dabei bleibe und im Verein eine wichtige Rolle spielen würde. Zwischendurch wollte ich auch schon mal aussteigen. Aber es kam anders.“
Wie habt ihr es über die Jahre geschafft, euch immer wieder neu zu erfinden?
„Das lag in erster Linie an den Personen, die bei uns die Dinge mit angeschoben haben. Oliver Deichsel holte damals die Ska-Bands nach Plauen und etablierte die ‚Sixties Clubnight‘. Zusammen mit unserem damaligen Techniker Matthias Schmidt lud er zu ‚Tanz unterm Weihnachtsbaum‘ ein. Es war die erste Veranstaltung dieser Art in Plauen, die am Heiligen Abend über die Bühne ging. Unser ehemaliger Vereins-Chef Andrè Schatz brachte das Rampa-Zampa-Festival zum Laufen. Stephan Unglaub machte als DJ Mille Mc Lovin neue Motto-Partys salonfähig. Ohne die vielen kreativen Einflüsse hätte es das alles nicht gegeben.“
Es gab auch knifflige Momente. Das marode Dach des Hauptgebäudes machte euch arg zu schaffen.
„Das stimmt. Es hat schon durchgeregnet. Der Sozial- und Jugendhilfeverein war damals Betreiber und meldete Insolvenz an. Wir haben den Komplex dann 2012 gekauft und notdürftig Reparaturen durchgeführt.“
Das war aber noch nicht die Lösung des Problems.
„Entscheidend war, dass die ‚Röste‘ zum Industriedenkmal erklärt wurde. Dann flossen Fördermittel vom Kulturraum Vogtland-Zwickau und von der Landesdenkmalpflege. 2020 wurde das Dach grundhaft saniert.“
Ihr habt die Veranstaltungsräume und das Areal schrittweise immer weiterentwickelt. Was waren die Meilensteine?
„Der Biergarten und das Festivalgelände kamen dazu. 2015 wurde die Skatehalle im Erdgeschoss fertig. Die vermieten wir an den Plauener Postsportverein. Wir haben auch in die Veranstaltungstechnik und die Sanitäranlagen investiert.“
Wie habt ihr die Corona-Krise und die Folgen erlebt?
„Ohne Unterstützung vom Kulturraum Vogtland-Zwickau, dem Kulturreferat Plauen und dem Vogtlandkreis wäre es schwierig geworden, zu überleben. In dieser Zeit haben uns Vereinsmitglieder verlassen. Zum Glück kamen neue dazu. Es war ein Lernprozess, aus dem neue Veranstaltungen hervorgegangen sind.“
An welche Highlights der vergangenen Jahre erinnerst du dich besonders gern?
„Gern erinnere ich mich an das IBUg-Festival 2015, zu dem wir mit eingebunden waren. Zu diesem Street-Art und Graffiti-Festival mit internationalen Künstlern kamen tausende Besucher. Die Ergebnisse an den Fassaden sieht man heute noch. Unsere Rampa-Zampa-Open-Airs sind bei mir auch in bester Erinnerung geblieben.“
Was willst du in der „Röste“ noch bewegen?
„Da gibt es vieles. Vor allem möchte ich dazu beitragen, das Kulturprogramm gemeinsam mit Menschen weiterzuentwickeln, die darauf Lust haben. Wir haben die Räume, die das ermöglichen.“
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