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Unterwegs mit „Heinrich von Plauen“ 

In voller Montur mit Kettenhemd und Visierhelm unterm Arm macht Andreas Dick per se einen respekteinflößenden Eindruck. Der Mann mit der sonoren Stimme und dem Kreuz als religiöses Zeichen auf dem Waffenrock wandelt als „Heinrich von Plauen“ auf den Spuren des Deutschen Ordens. In der Rolle des hochrangigen Ritters führt der 71-jährige Stadtführer seine Gefolgschaft zur Wiege Plauens. Dafür steht das im Mittelalter errichtete Konventgebäude am Schulberg im Herzen der Altstadt. Hier atmen die unter Denkmalschutz stehenden Mauern eine 800-jährige Geschichte. Es ist das einzige erhaltene Gebäude der römisch-katholischen Ordensbrüder in Mitteldeutschland. Der Förderverein Komturhof erfüllt den geschichtsträchtigen Ort mit Leben.

  • Termine zur Führung mit Ritter Heinrich von Plauen

    Tauchen Sie ein in mehr als 800 Jahre Geschichte in historischem Ambiente in und um das Konventgebäude des ehemaligen Komturhofes in Plauen und staunen, wie die Kreuzritter in Plauen lebten und wirkten.

    zu den Führungen

Stadtführer lebt Kunstfigur wie kein anderer

Der gebürtige Reichenbacher lebt die Kunstfigur wie kein anderer. Seit seiner Jugend interessiert er sich für historische Ereignisse. Geschichte lebendig zu vermitteln, macht für den Stadterklärer den Reiz an dieser Tour aus. Mit Anekdoten und Geschichten im Gepäck führt der edle Ritter die Rundgangsteilnehmer zum ehemaligen Sitz der Ordensgemeinschaft. Dort angekommen, entdecken sie einen lebensgroßen Wachs-Heinrich hinter Glas. Das auf wissenschaftlicher Basis rekonstruierte Abbild erinnert an den einstigen Hochmeister des Deutschen Ordens.

Pfarrer räumt „Kreuzritter“ Sonderrechte ein  

Während der offiziell 90-minütigen Zeitreise geht der gelernte Koch und Staatswissenschaftler auf die Waffen der Kreuzritter ein. Zur Ausrüstung gehörten Lanzen, Einhandschwerte, Schilde, Dolche, Streitkolben und Äxte. Der Weg führt zur Johanniskirche mit den beiden über 50 Meter hohen Türmen. Beste Kontakte zu Pfarrer Andreas Wittkopf öffnen Türen. In der dreischiffigen Basilika, die 1224 dem Deutschritterorden gestiftet wurde, hat der gewandete Recke Sonderrechte. „Ich bin der Einzige, der unter Waffen in die Kirche darf“, sagt der Plauener mit einem Augenzwinkern. Highlight im Ostgiebel des Gebäudes ist das kunstvoll arrangierte „Auferstehungsfenster“. Das dreiteilige gläserne Bild verbindet biblische Szenen mit modernen Elementen.

Als der Hochmeister den kriselnden Orden rettete 

Näher beleuchtet wird zudem Heinrichs Familiengeschichte, deren Wurzeln bis zum Adelsgeschlecht der Vögte reichen. Zu den Verdiensten der bedeutenden Ordens-Persönlichkeit zählt die erfolgreiche Verteidigung der Marienburg (Polen) Anfang des 15. Jahrhunderts, die den vollständigen Zusammenbruch des kriselnden Ordens verhinderte. Unter dem Titel „Der Deutsche Orden in Plauen“ gab der Förderverein eine spannende Publikation heraus.

Vom Luftschutzkeller bis zum „Kulturweg der Vögte“

Darüber hinaus geht der Fremdenführer auf die jüngeren Kapitel der Stadtgeschichte ein. So erfahren die Stadterkunder etwas über die Zerstörung Plauens im Zweiten Weltkrieg und die Bedeutung der einstigen Ordensniederlassung als Luftschutzkeller. Das mittelalterliche Baudenkmal ist ein wesentlicher Bestandteil vom „Kulturweg der Vögte“, der sich von Thüringen über Sachsen und Franken bis nach Böhmen erstreckt. 

Eine Schnapsidee zum runden Geburtstag

Dass der Spitzenstädter in die Rolle des ruhmreichen Glaubenskriegers schlüpfte, entsprang einer Schnapsidee. Anlass war ein runder Geburtstag, der im wahrsten Sinne des Wortes ritterlich gefeiert wurde. Den anwesenden Mitgliedern des Fördervereins Komturhof gefiel das so gut, dass sich daraus in Kooperation mit der Stadt mehr entwickelte. Seit 2022 bietet die Tourist-Information regelmäßige Führungen mit „Heinrich von Plauen“ an.

Ministerpräsident wird zum Ehrenritter ernannt  

In seiner Paraderolle als historische Figur sorgt das Plauener Original immer wieder für die besondere Momente, die in Erinnerung bleiben. Unvergessen die Ernennung des ehemaligen Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) zum 1. Ehrenritter.

Events in Vogtlands ältester Spielstätte

Neben den Führungen können Besucher in der ältesten Veranstaltungsstätte des Vogtlandes bis zum Jahresende zahlreiche Konzerte und Events erleben. Vom Bigband-Sound über Jazz, Blues, Kabarett, Tango-Milonga bis Comedy ist alles geboten. Zu den Saisonhöhepunkten gehören die Nacht der Muse(e)n, der Tag des offenen Denkmals und das Winterwunderland in der Elsteraue. Das komplette Programm findet man auf der Homepage des Fördervereins. Tickets sind in der Tourist-Information im Rathaus und über den Verein erhältlich.