Elsteraue
Die Elsteraue in Plauen verbindet die industrielle Vergangenheit der Spitzenstadt mit einer lebendigen, kreativen Gegenwart. Wo einst Textilbetriebe und Fabriken das Stadtbild prägten, entsteht heute ein vielseitiges Kreativquartier, das Geschichte, Handwerk, Kunst und Kultur miteinander vereint.
Ein zentraler Anziehungspunkt in der Elsteraue ist die Fabrik der Fäden. Das moderne Erlebnismuseum macht die Geschichte der Plauener Spitze und der vogtländischen Textilindustrie auf anschauliche und interaktive Weise erlebbar. Besucher können hier in die Vergangenheit eintauchen und erfahren, wie die Spitzenherstellung die Entwicklung der Stadt geprägt hat.
Die ursprüngliche Talaue der Weißen Elster
Die Talaue der Weißen Elster hatte für die Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Plauens eine große Bedeutung. Bereits in der Frühzeit führten die Straßen und Wege am Fluss entlang.
Auf den Auwiesen zwischen Elster und Mühlgraben befanden sich die Plätze und Häuser der Bleicher, durch deren Arbeit die Baumwollstoffe erst die weiße Farbe erhielten. Seit den 1850er Jahren entstanden daraus moderne Veredlungsbetriebe - Appretur-Anstalten genannt. Deren hoher Energiebedarf verlangte nach dem Einsatz von Dampfmaschinen, damit wurde die Elsteraue die Wiege der Industrialisierung Plauens. In dem Fabrikgebäude der Firma „F. Schnorr & Söhne (Steinhäuser)“ in der Hofwiesenstraße 7 wurden 1857/58 die beiden ersten Handstickmaschinen, die aus der Schweiz stammen, aufgestellt. Damit wurde die Grundlage für die spätere Plauener Spitze, die eine maschinengestickt ist, gelegt.
Mit der fortschreitenden Industrialisierung wurde der Talbereich der Weißen Elster zwischen Straßberg und Chrieschwitz immer interessanter als Baugebiet für Industriebetriebe vor allem der Textilindustrie, deren Veredlungsverfahren weiterhin einen hohen Wasserbedarf hatten. Da die Auwiesen wegen der Überschwemmungsgefahr kein sicheres Terrain bildeten, wurde 1897 mit der Regulierung und Kanalisierung der Weißen Elster begonnen, die endgültig erst 1908 beendet wurde. Hier fanden auch wichtige Unternehmen der Infrastruktur ihren Standort, wie Gas- und Stromwerk. So erschloss die Stadt Plauen entlang des Flusses ein Industriegebiet, dass mit seinen rauchenden Schornsteinen bis ins 20. Jahrhundert prägend für das Stadtbild war.
Die Elsteraue im Wandel
Die Elsteraue in Plauen hat sich in den vergangenen Jahren von einem ehemaligen Industrie- und Brachgelände zu einem modernen Stadtquartier mit kulturellen, sozialen und ökologischen Funktionen entwickelt. Das Gebiet an der Weißen Elster gilt als Wiege der Plauener Industriegeschichte und verbindet heute auf besondere Weise Tradition und Zukunft.
Im Mittelpunkt der Entwicklung steht die Umgestaltung des ehemaligen Areals der Hempelschen Fabrik. Seit 2017 wurden zahlreiche Gebäude saniert, Freiflächen neugestaltet und moderne Nutzungen geschaffen. Historische Bauten wie das Weisbachsche Haus wurden restauriert und einer neuen Bestimmung zugeführt. Dort befindet sich heute die „Fabrik der Fäden“, ein modernes Erlebnismuseum zur Geschichte der Plauener Spitze und Textilindustrie.
Auch die Lebensqualität im Quartier wurde deutlich verbessert. Neue Grünanlagen, Spiel- und Freizeitflächen sowie die Elsterterrassen laden Einwohner und Besucher zum Verweilen ein. Der Generationenpark „Kreative Elsteraue“ bietet Bewegungs- und Begegnungsmöglichkeiten für Menschen aller Altersgruppen. Gleichzeitig wurden neue Fuß- und Radwege geschaffen, die das Gebiet besser mit der Innenstadt verbinden.
Ein weiteres Ziel der Stadtentwicklung ist die nachhaltige Nutzung des Areals. Dazu gehören die Erweiterung des Nahwärmenetzes, die Förderung umweltfreundlicher Mobilität und die Schaffung zusätzlicher Grünflächen. Historische Gebäude werden erhalten und gleichzeitig für moderne Nutzungen wie Büros, Kulturangebote oder soziale Einrichtungen umgebaut.
Heute präsentiert sich die Elsteraue als lebendiges Stadtquartier, das Geschichte, Kultur, Natur und moderne Stadtentwicklung miteinander verbindet. Der Wandel des ehemaligen Industriegebietes gilt als eines der bedeutendsten Stadtentwicklungsprojekte Plauens und zeigt, wie historische Orte erfolgreich für die Zukunft gestaltet werden können.
Der Mühlgraben und die Mühlen Plauens
Im Mittelalter war die Anlage des Elster-Mühlgrabens, der die Wasserzufuhr für den Antrieb der Mühlen sicherte, wichtig. Diese Nutzung zählte zu den hervorragenden Leistungen dieser Zeit. Der Plauener Mühlgraben ist das erst Mal 1438/39 urkundlich genannt, wurde aber wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert angelegt. Mit einer Wehranlage wird auch heute noch die Wasserzufuhr für den Graben geregelt. Der Mühlgraben zieht sich ca. 2 Kilometer unterhalb der Stadt entlang. Bis ins 19. Jahrhundert war er ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Versorgung der Bevölkerung und für das textile Handwerk. Mit der Wasserkraft wurden die beiden Mahlmühlen ebenso angetrieben wie die Walkmühle der Tuchmacher. Es gab die Obere Mühle beim heutigen Weisbachschen Haus und die Untere Mühle flussaufwärts oberhalb der Alten Elsterbrücke.
Im 18. Jahrhundert wuchs die Bedeutung für die Baumwollmanufaktur, als Wasserlieferant für die Bleiche und Antriebskraft für die Walkmühlen und Kalander. Im Kalander wurden zwischen zwei oder mehr Walzen die Stoffe unter Druck bearbeitet, wodurch diese ein glänzendes, glattes und geschmeidigeres Aussehen erhielten. Bis zur Einführung der Dampfkraft trieben Wasserräder des Mühlgrabens die Maschinen der frühen Spinnereifabriken Plauens an.
Die Elsteraue heute - lebendiges Kreativquartier
Heute steht die Elsteraue für den Wandel vom traditionellen Industriestandort zu einem Kreativquartier, in dem Geschichte, Handwerk, Kultur und neue Nutzungen zusammenkommen.
Fabrik der Fäden im Weisbachschen Haus: Vom Manufakturgebäude zum Museum
Das Weisbachsche Haus nimmt innerhalb der Elsteraue eine besondere Stellung ein. Seine spätbarocke Architektur hebt sich deutlich von den später entstandenen Fabrikgebäuden ab und erinnert an die frühe Phase der industriellen Textilproduktion. Nachdem das Ensemble 1897 in den Besitz der Familie Weisbach übergegangen war, erhielt es seinen heutigen Namen.
Mit der Übernahme durch die Stadt Plauen im Jahr 2015 und der anschließenden Sanierung erhielt das Gebäude eine neue Zukunft. Seit November 2023 befindet sich in der ehemalischen Kattundruckerei, die zu den bedeutendsten, noch bestehenden Barock-Manufakturgebäuden Sachsens gehört, die Fabrik der Fäden. Das Museum besticht mit einer modernen und interaktiven Ausstellunggestaltung und gibt Einblicke zur Geschichte der vogtländischen Textilindustrie und der Plauener Spitze. Historische Exponate, Maschinen, Multimediastationen sowie moderne Vermittlungsangebote machen die Entwicklung der Branche am authentischen Ort nachvollziehbar. Das Weisbachsche Haus ist damit nicht nur ein Baudenkmal, sondern auch ein zentraler kultureller Anziehungspunkt der heutigen Elsteraue.
Zum historischen Ensemble gehört außerdem der Weisbachsche Garten. Er ergänzt die Industriearchitektur um eine grüne Komponente und erinnert an die Gartenanlagen, die zum Umfeld der damaligen Fabrik- und Unternehmervillen gehörten. Gemeinsam verdeutlichen Gebäude und Garten, wie eng Produktion, Wohnen und Freiräume an diesem Standort miteinander verbunden waren.
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Die Hempelsche Fabrik und Hempelscher Garten
Die Hempelsche Fabrik entstand ab 1830 als chemische Bleicherei, Färberei und Appreturanstalt F. A. Hempel und entwickelte sich zu einer bedeutenden Anlage für das Bleichen, Färben und Veredeln von Textilien. Mit dem Wachstum des Unternehmens kamen weitere Produktionsgebäude und Nebengebäude hinzu. Die Fabrik wurde zu einem wichtigen Arbeitgeber und prägte über Generationen hinweg das Gebiet entlang der heutigen Hofwiesenstraße.
Von der industriellen Vergangenheit zeugen heute noch der historische Wasserturm und weitere Gebäude des ehemaligen Fabrikgeländes. Auch die einstigen Stallungen gehören zum historischen Ensemble und wurden im Laufe der Zeit einer neuen Nutzung zugeführt.
Zum historischen Ensemble gehören auch die repräsentative Fabrikantenvilla aus dem Jahr 1889 und der Hempelsche Garten. Mit seinem alten Baumbestand erinnert er an die grünen Rückzugsorte der damaligen Fabrikantenfamilien.
Heute verbindet das Hempelsche Areal historische Industriekultur mit modernen Nutzungen. Die restaurierte Fabrikhalle beherbergt unter anderem Arbeitsräume für Unternehmen der IT- und Kreativwirtschaft. Das Café und Restaurant Hempelsche Fabrik lädt zum Genießen ein, während der denkmalgeschützte Garten einen grünen Ort der Erholung bietet. So ist ein lebendiges Quartier entstanden, das Plauens industrielle Vergangenheit mit neuen Ideen und Begegnungsmöglichkeiten verbindet.
Weberhäuser und Handwerkerhöfe
Die Weberhäuser in Plauen stammen aus dem 15. Jahrhundert und gehören zu den ältesten, noch erhaltenen Gebäuden der Stadt. Sie erinnern an die Arbeit und die Lebensweise der einst dort ansässigen Färber und Gerber. Zu den Weberhäusern gehört ein traumhafter Garten hinter dem Mühlgraben, ein Sinnesgarten, Bibliothek und Stofflager sowie die Handwerkerhöfe in den ehemaligen Hempelschen Stallungen. Dort bieten Galerie, Haferboden, Druck- und Drechselwerkstatt Raum für Kreativität, Erlebnis und Genuss.
Seit über 25 Jahren setzt sich der Verein UNIKAT e. V. für den Erhalt und die Umgestaltung des Areals ein. In den Werkstätten und Ateliers bietet der UNIKAT e. V. Kurse und Veranstaltungen, insbesondere für Kindern und Jugendlichen, um handwerkliche Techniken selbst auszuprobieren.
Kunsthandwerker, Künstler und Kreative haben hier einen Ort gefunden, an dem traditionelles Handwerk, Kunst und modernes Kunsthandwerk aufeinandertreffen. Die Weberhäuser und Handwerkerhöfe zeigen, wie historische Bausubstanz durch gemeinschaftliches Engagement eine zeitgemäße Funktion erhalten kann.
Generationenpark »Kreative Elsteraue«
Der Generationenpark “Kreative Elsteraue“ in der Elsteraue bietet direkt an der Weißen Elster vielfältige Möglichkeiten zum Spielen, Bewegen und Entspannen und ist direkt mit dem Elsterradweg verbunden. Auf dem ca. 6.000 m² großen Areal befinden sich Kletter- und Bewegungsangeboten, Sitz- und Picknickbereiche sowie ein Trimm-Dich-Pfad und ist ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt. Insbesondere Familien und Radfahrer, bietet der Park eine willkommene Abwechslung zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Elsteraue und lädt zu einer aktiven Pause im Grünen ein.
Elsterterrassen an der Weißen Elster
Die 2018 angelegten Elsterterrassen in Plauen befindet sich an der linken Flussseite der Weißen Elster, unweit der Gösselbrücke und des Elsterradweges. Die Sitzstufen und Palisaden laden zum Verweilen direkt am Wasser ein. Sie ist Teil der Neugestaltung der Elsteraue und verbindet naturnahe Erholung mit einem attraktiven Aufenthaltsort für Spaziergänger und Radfahrer.