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FAQ - Klimaanpassung / Hitzeschutz

Auch in Plauen sind die Folgen des Klimawandels zunehmend spürbar. Dazu gehören neben Trockenperioden und Starkregen vor allem häufiger auftretende Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad. Um die Stadt und ihre Bewohner besser auf diese Veränderungen vorzubereiten, setzt die Stadt Plauen auf gezielte Maßnahmen zur Klimaanpassung. Ein wichtiger Bestandteil davon ist der Hitzeschutz.

Hohe Temperaturen können den Körper stark belasten. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Schwangere, Säuglinge, Kleinkinder sowie Menschen mit Vorerkrankungen oder Behinderungen. Gleichzeitig stellt zunehmende Hitze auch neue Anforderungen an die Gestaltung des Stadtgebietes.

Das Klimaanpassungskonzept der Stadt Plauen bildet die Grundlage, um auf Hitze, Trockenheit, Starkregen und weitere Folgen des Klimawandels zu reagieren. Dazu gehören beispielsweise mehr Schatten, Begrünung und Möglichkeiten zur Abkühlung. Doch was wurde bereits umgesetzt, was ist geplant und wie kann sich jeder Einzelne bei Hitze schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten sind hier zusammengestellt.

Thema Klimaanpassung

Was ist Klimaanpassung?

Wir sind den Folgen des Klimawandels nicht schutzlos ausgeliefert. Wir können uns mit den richtigen Maßnahmen an die oben genannten Klimawandelfolgen anpassen. So können wir durch gezielte Verschattung, Begrünung und Verdunstungsmöglichkeiten den Aufenthalt im Freien an heißen Tagen angenehmer gestalten. Auch an Starkregenereignisse können und müssen wir uns anpassen, bspw. durch geeignete Hochwasserschutzmaßnahmen, der Entsiegelung von Flächen und weiteren baulichen Maßnahmen, um die Wasseraufnahme des Bodens durch Versickerung zu erhöhen.

Was sind Klimawandelfolgen?

Die allgemeinen Folgen des Klimawandels sind die Zunahme von Extremwetterereignissen wie Hitze, Trockenheit, Starkregen, Hochwasser, Stürme und Hagel. Daraus ergeben sich unter anderem gesundheitliche Belastungen für vulnerable Gruppen bei Hitze, ein erhöhtes Allergierisiko durch veränderte Blühzeiten und Schäden an städtischer Infrastruktur durch Stürme und Starkregenereignisse. Die regionalen Klimawandelfolgen, die explizit für Plauen von hoher Relevanz sind, werden während der Konzepterstellung ermittelt und entsprechend veröffentlicht. Darauf basierend wird das Anpassungskonzept mit einer Gesamtstrategie, sowie einem Maßnahmenkatalog erstellt.

Eine kurze Übersicht über das sich verändernde Klima in Plauen finden Sie hier: 

  • Auszug aus dem Nachhaltigen Klimaanpassungskonzept des ThINK - Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz


Was ist der Unterschied zum Klimaschutz?

Der Klimaschutz hat zum Ziel dem Klimawandel mit geeigneten Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen entgegenzuwirken. Die Klimaanpassung befasst sich hingegen mit der aktuellen und zukünftigen klimatischen Situation, die sich durch die bereits eintretenden Auswirkungen des Klimawandels ergibt, und möchte die Stadt daran anpassen und so lebenswert erhalten. Beide Arbeitsbereiche sind notwendig für einen erfolgreichen Umgang mit dem Klimawandel.

Wie kann ich mich an die Folgen des Klimawandels anpassen? Wie verhalte ich mich richtig?

Bleiben Sie über aktuelle Unwetterwarnungen informiert!

Zu Ihrem Schutz und der perfekten Vorsorge, sollten Sie immer über aktuelle Unwetterwarnungen informiert bleiben. Wie Sie sich vor den jeweiligen Warnungen schützen, erfahren Sie in den Handlungsempfehlungen.

Informieren Sie sich über aktuelle Warnmeldungen über WarnApps wie zum Beispiel NINA, KatWarn oder der DWD-Warnwetter-App. Lokale Warnungen erhalten Sie über Sirenen, dem Vogtlandradio und den Social-Media-Kanälen der Stadt.

Starkregen-Gefahrenkarte

Um die Gefahrenpotentiale von Überflutungen durch Starkregen in der Stadt Plauen besser vorhersehen zu können, wurde durch das Klimaanpassungsmanagement in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz GmbH eine Starkregengefahrenkarte erstellt.

Die Starkregengefahrenkarte zeigt die maximalen Wasserstände, die sich infolge eines stadtweiten, zeitlich und räumlich variablen 100-jährlichen Regenereignisses von einer Stunde Dauer einstellen würden. Neben dem einstündigen Regenereignis wurde auch ein anschließender vierstündiger Ablaufprozess simuliert. Der gefallene Niederschlag nach KOSTRA-Atlas des DWD (2020) variiert im Stadtgebiet zwischen 48,0 und 49,5 Millimeter bzw. Liter pro Quadratmeter. Die Wasseraufnahme des Kanalnetzes wurde pauschal über eine anteilige Reduzierung der Niederschlagshöhe um einen ortsüblichen Bemessungsregen (fünfjährlich über fünf Minuten) berücksichtigt.

Informieren Sie sich über aktuelle Warnmeldungen über WarnApps wie zum Beispiel NINA, KatWarn oder der DWD-Warnwetter-App. Lokale Warnungen erhalten Sie über Sirenen, dem Vogtlandradio und den Social-Media-Kanälen der Stadt. Im Falle eines Starkregens finden Sie Informationen unter: Im Fall des Hochwassers

Thema Hitzeschutz

Welche konkreten Maßnahmen zum Hitzeschutz wurden seit 2023 umgesetzt?

Klimainseln Pausaer Straße und Dobenaustraße

Die erste Klimainsel in Plauen entstand 2022 an der Pausaer Straße. Hier wurden sieben sogenannte Klimabäume gepflanzt, die besonders gut an die durch den Klimawandel veränderten Bedingungen angepasst sind. Im Zuge einer EFRE-Förderung sollen nun weitere Klimainseln entstehen. 2026 konnten bereits 6 Bäume an der Dobenaustraße gepflanzt werden.

Begrünung Klostermarkt:

Um die Stadtbevölkerung aktiv vor Hitze zu schützen, wurde 2024 die Begrünung des Klostermarktes realisiert. Es wurden 4 Bäume in Hochbeete gepflanzt, die von Sitzmöglichkeiten umrandet sind. So entstand ein Verweilort in der Plauener Innenstadt, der durch die Bäume eine natürliche Verschattung erhält. Eine gesunde Vegetation ist ein wichtiger Klimaregulator und sorgt neben der direkten Verschattung für eine verringerte Umgebungstemperatur, da sich Vegetation weniger stark aufheizt als versiegelte Fläche.

Baumpatenschaften

Die Stadt Plauen hat im Jahr 2019 das Grünpatenprojekt „Verantwortung übernehmen für unsere Nachfolgegenerationen“ ins Leben gerufen. Hier hat die Bevölkerung die Möglichkeit, mittels Baum- oder Gießpatenschaften die Verschattung und Abkühlung in der Stadt zu fördern.

Weitere Umsetzungen

Welche Maßnahmen sind bereits in der Planung?

Fördermittelantrag Richard-Wagner-Platz in Preißelpöhl:

Die Stadt Plauen hat sich kürzlich im Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ beworben:

Der Richard-Wagner-Platz, der Mendelssohnplatz sowie die angrenzenden Gehwegbereiche an der Reißiger Straße und der Beethovenstraße sind in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand und sollen klimaangepasst saniert werden. Ziel ist die Aufwertung des Wohnviertels Preißelpöhl durch die Vitalisierung der denkmalgeschützten Parkanlagen und des Straßengrüns mit angepassten, optimierten Standortbedingungen. Die Wohnqualität und Hitze- sowie Trockenresistenz im Stadtteil sollen zukunftsorientiert verbessert werden.

Neben der Sanierung der Wege sind Maßnahmen zur Regenrückhaltung und Wasserspeicherung sowie Entsiegelungen geplant. An der Beethoven- und Reißiger Straße werden große Baumscheiben mit Bewässerung und Rigolensystem hergestellt und resiliente Arten gepflanzt. Auch die Anpflanzung von Stauden, Blühwiesen und zusätzlichen Bäumen sind vorgesehen.

Ein Stück der Beethovenstraße wird zu einem Geh- Radweg mit straßenbegleitendem Grün ausgebaut. Für die Maßnahmen wird eine Fläche von 900 m² entsiegelt.

Das Förderprogramm legt großen Wert auf die Stärkung der blau-grünen Infrastruktur und den Schutz vor Hitze und Starkregen. Die geplanten Maßnahmen können nur im Falle einer Bewilligung der Fördermittel umgesetzt werden.

Offenlegung Syra

Die „Syra“ wird derzeit im Plauener Stadtzentrum auf einem rund 135 Meter langen Teilstück an der Melanchthonstraße freigelegt und landschaftlich gestaltetet. Bisher war der Fluss verbaut und daher nicht sichtbar. Mit der Offenlegung sollen die Plauener Zugang zum Fluss erhalten; gleichzeitig soll dieser eine Kühlfunktion für das Stadtzentrum entfalten. Als weiterer positiver Nebeneffekt ist die Verbesserung des Hochwasserschutzes zu nennen.

Datum: 13.08.2026

Fördermittel für Offenlegung Syra

Sanierung Markuskirchplatz:

Bei der aktuell laufenden Sanierung des Markuskirchplatzes werden 22 neue Bäume (Feldahorne + Kaiserlinden) gepflanzt. Die Bäume erhalten großzügige Pflanzgruben, um langfristig gute Wachstumsbedingungen sicherzustellen. Die Wege entlang der Platzränder werden erneuert und in wassergebundener Bauweise hergestellt, sodass die Regenwasserversickerung verbessert wird und gleichzeitig sich die Flächen nicht so stark erhitzen.

Sanierung Rückertplatz:

Im Zuge einer EFRE-Förderung ist die Umgestaltung, Verkehrsberuhigung und nachhaltige Sanierung des Rückertplatzes geplant. Ziel ist es, die bestehende Parkanlage unter Erhalt der wertvollen Großgehölze klimaangepasst zu gestalten, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und den Platz wieder als attraktiven Treffpunkt für alle Generationen zu etablieren. Die Parkanlage wird in ihrer Kühlungsfunktion gestärkt und wirkt der Hitzebelastung im Stadtgebiet entgegen. Die Sanierungstätigkeiten sollen im Jahr 2027 abgeschlossen sein. Die Stadtverwaltung befindet sich derzeit im Vergabeverfahren für die Bauleistungen.

Sanierung Weisbachscher Garten:

Mit der denkmalgerechten Sanierung des Weisbachschen Gartens wird eine historische Grünfläche in Plauen langfristig gesichert und klimaangepasst weiterentwickelt. Der Erhalt und die fachgerechte Pflege des wertvollen Altbaumbestandes stärken die natürliche Verschattung und Kühlungswirkung des Gartens. Durch die Revitalisierung der historischen Anlage, die Aufwertung der Vegetationsstrukturen sowie die Wiederöffnung als öffentlich zugänglicher Freiraum entsteht ein attraktiver Aufenthaltsort, der insbesondere in Hitzeperioden einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung und zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Plauener Elsteraue leistet. Die Arbeiten laufen derzeit und sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

Videobeitrag Weisbachscher Garten Revitalisierung beginnt

Videobeitrag Weisbachscher Garten Revitalisierung beginnt

Verfügt die Stadt über einen Hitzeaktionsplan?

Für die Stadt Plauen liegt kein Hitzeaktionsplan vor. Bisher fehlen die finanziellen und personellen Ressourcen, um sich diesem Thema vollumfänglich zu widmen.

Das in 2024 vom Stadtrat beschlossene Klimaanpassungskonzept wurde unter anderem durch eine Klimafunktionskarte mit verschiedenen Belastungsintensitäten, basierend auf einem Wärmebelastungsindex, sowie eine Verschattungsanalyse erstellt. Mittels einer Kaltluftmodellierung wurde zudem die nächtliche Abkühlung untersucht. Hierbei konnten Erkenntnisse über gut durchlüftete Kaltluftgebiete, wenig belüftete oder belastete Gebiete gewonnen werden.

Anhand dieser Untersuchungen lassen sich potenzielle Wärmeinseln identifizieren, für welche gezielte Maßnahmen entwickeln werden können.
Insgesamt wird demnach formal kein vollumfänglicher Hitzeaktionsplan erarbeitet, sondern eine individuelle Analyse der Hitzebelastung für Plauen vorgenommen und mit entsprechenden Maßnahmen unterlegt.

Welche Hitze-Hotspots hat die Stadt identifiziert und wie viele gibt es?

Die Altstadt, die Bahnhofstraße und die gründerzeitlichen Stadtteile rund um das Plauener Stadtzentrum sind am stärksten von Hitze betroffen. Eine konkrete Zahl lässt sich nicht nennen, da die Übergänge fließend sind und es keine exakte Definition dafür gibt, wie hoch der Temperaturunterschied zwischen der „Hitzeinsel“ und der Umgebung sein muss. 

Wo sieht die Stadt aktuell die größten Herausforderungen beim Hitzeschutz?

Die größten Herausforderungen sind die immer weiter zunehmenden Hitzeperioden verbunden mit Trockenheit/Dürre und ihre Folgen für Menschen, Stadtgrün und Infrastruktur.

Großkronige Laubbäume sind der beste Hitzeschutz im öffentlichen Raum – dazu gehören aber auch ausreichend große Pflanzgruben, Baumscheiben und die Pflege, die finanziert werden muss. Jungbäume wachsen jedoch aufgrund von Trockenheit häufig nicht mehr ran, sodass kostenintensive Nachpflanzungen erforderlich werden. Sobald also Bäume aufgrund von Krankheiten oder notwendigen Baumaßnahmen gefällt werden müssen, ist es äußerst schwierig, diese durch Jungbäume zu ersetzen; insbesondere im Straßenraum, wo die Bäume neben der Hitze und Trockenheit noch stärkeren Belastungen ausgesetzt sind (Feinstaub, Reifenabrieb, Streusalz, etc.).

Gleichzeitig fehlen vielerorts klimatisierte öffentliche Räume als Rückzugsorte bei extremer Hitze.

Da die finanziellen Mittel begrenzt sind, können Maßnahmen zur Klimaanpassung meist nur im Zuge ohnehin geplanter Bau- und Sanierungsprojekte umgesetzt werden, beispielsweise durch Außenverschattung bei Schulsanierungen. Um den Hitzeschutz schneller voranzubringen, wären verbindliche Vorgaben zur Berücksichtigung von Klimaanpassungsmaßnahmen bei Bauvorhaben – verbunden mit einer entsprechenden finanziellen Unterstützung durch Bund und Freistaat Sachsen – essenziell wichtig.